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PREMANANDA
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Zu dieser Zeit ist Premananda seit zwei Jahren, - nach
seinem Erwachen (siehe website Premananda), in der Gemeinschaft von Papaji.
Er blieb weiterhin Teil der Gemeinschaft für drei Jahre, ohne Fragen
zu stellen. Er betrieb ein Gästehaus für Besucher und stellte
die Abstrakten Gemälde her, die auf seiner website (siehe Art Gallery,
dt. Kunstgalerie) ausgestellt sind. Er führte die Interviews für
sein Buch "Amazing Grace" (Unbegreifliche Gnade) und schrieb
die Liebesgeschichten (siehe website - Writing, dt. das Schreiben). Die
Nirgendwo Gedichte (siehe website - Writing - Poetry, dt. Gedichte) entstanden
während dieser besonders kreativen Periode.
M: Ausgehend von Deiner eigenen Erfahrung, was würdest Du Erleuchtung
nennen?
P: Ich würde sagen, Erleuchtung beginnt, wo alle Worte enden. Also gibt
es kein Wort, gibt es keine Möglichkeit, es zu definieren. Auch aus
meinem eigenen Erleben heraus kann ich keine Worte finden. Das Wort Erleuchtung
selbst ist aber ein Fingerzeig auf das, was jenseits von Worten ist. Vielleicht
ist es nötig, ein Wort zu haben, weil das Wort Menschen anzieht.
Ich bin jetzt nahe an die Erleuchtung herangekommen. Durch dieses Näherrücken
hat das Wort keine Bedeutung mehr. Es ist kein Wort, dessen ich mir dauernd
bewußt bin. Es ist etwas, daß ich nicht genau erklären
kann. Es ist gewissermaßen eine menschliche Erfahrung, die jenseits
der Worte ist. Es beinhaltet zum Beispiel auch einen frühen Morgenspaziergang
in einer schönen Landschaft. Mitten im Spaziergang bist du auf einmal
vollkommen berührt von etwas, und dein Verstand steht still. Es könnte
die hinter Bäumen aufgehende Sonne sein, und das berührt etwas
in dir, und du wirst vollständig gegenwärtig. Dieser Zustand
ist vielleicht das, was mit dem Wort Erleuchtung gemeint ist. Was wir
Frieden nennen, Zufriedenheit, Glück. Diese Worte beschreiben den
Zustand. Jedoch die Tiefe und Natur dieses Zustandes, wenn er völlig
enthüllt ist, sind jenseits der Worte.
Um die Frage, was Erleuchtung ist, zu beantworten, würde ich mich
einfach stumm hinsetzen, in die Kamera schauen und etwas würde auf
meinem Gesicht erscheinen, unddas wäre das Beste, was ich tun könnte.
Also gut, vielleicht sollten wir die Sache etwas deutlicher machen.
Wie ist dein Leben heute, am dritten Juni 1994, im Vergleich zu vor zwei
Jahren?
Es ist eine interessante Frage. Von außen betrachtet, wenn mir jemand
folgen würde, würden sie wahrscheinlich feststellen, daß
mein Leben nicht so verschieden erscheint. Ich tue die gleichen Dinge,
esse, schlafe, lese, rede und verbinde mich mit Menschen. Was auch immer
ich tat, von außen gesehen, würde es noch so ähnlich aussehen,
aber innen hat sich in diesen zwei Jahren einiges geändert. Ich fühle
mich sehr anders. Egal, was ich auch tue, ich fühle mich meistens
gleich. Ich bin erstaunt, daß ich jetzt gerade hier mit dieser Kamera
vor mir sitze und entspannt und friedvoll bin.
Was ich auch tue, das Gefühl innen ist eines von größerem
Frieden und Zufriedenheit als zwei Jahre zuvor. Alles, was ich mache,
fühlt sich auf eine Art auch entfernt von mir an, von etwas, das
in mir ist und sich nie verändert.
Es gibt innen einen Raum, der mir sehr nah und vertraut wurde. Dieser
Raum scheint sich nicht zu verändern, was auch immer geschieht, auch
wenn da starke Gefühle auftauchen. Zum Beispiel, ich mag unglücklich
oder sehr im Kopf sein, der Verstand rastet ein bißchen aus oder
mehr als ein bißchen, aus welchem Grund auch immer:- niemand lebt
in meinem Gästehaus, und ich habe kein Einkommen, und wovon soll
ich leben, und jetzt werde ich hungern müssen!-
Nur das Übliche, wo der Verstand zu allen Arten von lächerlichen
Schlußfolgerungen kommt. Ich kann immer noch sehr leicht auf diese
Weise in meinen Kopf gehen und gefühlsmäßig hineingezogen
werden und einen kleinen Ausraster für einige Stunden bekommen. Aber
wenn es passiert, gibt es da noch das Gefühl, daß alles ein
Scherz ist.
Etwas wird mich herausbringen, weil es das immer tut, und ich immer Essen
habe, alles ist immer in Ordnung, und gewöhnlich sogar mehr als in
Ordnung. Es gibt ein Vertrauen, auch wenn manchmal dieses Vertrauen anfänglich
zerbricht. Auch wenn ich in den Gefühlsteil des Verstandes gehe,
gibt es ein tiefes Wissen, daß es mich nicht an sich reißen
kann. Es kann mich zeitweilig hin und her werfen, aber es hat nicht mehr
die gleiche Gewalt, die es mal hatte.
Da ist ein tiefes Gefühl, daß ich den Tod angenommen habe.
Ich spüre, ich könnte einfach so, in jedem Moment, sterben,
und was auch immer die Erfahrung des Todes ist, dahinein kann ich mich
entspannen. Das ist sehr verschieden von dem, wie ich mich vor zwei Jahren
fühlte. Auch vor zwei Jahren war das Gefühl von Angst und die
Reaktion auf die Möglichkeit des Todes weniger stark als zehn Jahre
zuvor. Etwas hat sich verändert. Grundlegend ist es die greifbare
Empfindung meines Selbst. Ich erwähne den Tod, weil diese Angst hinter
fast allem, was wir tun, sehr stark ist.
Meine Sexualität ist eine weitere Sache, die sich in den letzten
zwei Jahren sehr geändert hat. Die Veränderung geschah sehr
plötzlich. Ich hatte einen sehr starken Sexualtrieb. Ich war sexuell
sehr aktiv. Seit zwanzig Jahren war ich so und genoß es. Mein Sextrieb
schien fast immer gegenwärtig. Es gab etwas in mir, daß mich
zu Frauen und Sex geradezu hinschob. Es war jenseits von Verstand, Gedanke
oder meiner Kontrolle. Vor zwei Jahren hörte es plötzlich auf.
Fast von einem Tag auf den anderen verschwand es.
Diese Veränderung berührte viele Aspekte meines Lebens. Meine
Konzentration lag nicht länger auf einer Partnerin für sexuelle
Aktivitäten. Ich konnte viel mehr mit mir selber sein. Ich stellte
fest, daß Frauen in meinem Leben noch vorhanden waren, aber meine
Beziehung mit Frauen wurden spielerischer. Die Energie zwischen Mann und
Frau ist köstlich. Innen gibt es nicht länger das Gewicht sexueller
Wünsche, es berührt nicht mehr. Die Weise, wie ich einer Frau
jetzt begegne, ist durch das Herz. Sex geschieht jetzt mit dem ganzen
Körper. Es ist eine völlig andere Wahrnehmung als zuvor. Das
ist die dramatischste körperliche Veränderung in diesen zwei
Jahren.
Auf einer anderen Ebene ist das Leben ganz einfach. Ich habe keinerlei
Ehrgeiz. Ich bin überrascht, daß ich noch in Lucknow bin. Aber
nichts hat mich woandershin geholt.
Wartest Du auf irgendetwas, das geschehen sollte mit Papaji?
Nein, ich habe nicht das Gefühl darauf zu warten, daß hier
irgendwas passiert. In der Tat, neulich fühlte ich eine Abneigung,
zum Satsang zu gehen. Ich wollte nicht wirklich. Es war eine Periode von
einem Monat, als Papaji nicht zum Satsang da war, weil er reiste. In diesem
Monat hatte ich eine wundervolle Zeit. Es gab nie einen Augenblick der
Langeweile. Es war fast besser als sonst, weil ich mehr in meiner eigenen
Energie war. Manchmal fühlt es sich so an, als ob Satsang meine eigene
Kreativität oder meine kreative Energie sabotiert. Es gibt einen
schwachen Widerstand hinzugehen, dort zu sein.
Also, würdest Du Deinen Zustand einen Zustand der Erleuchtung
nennen?
(Lacht.) Ich habe keine Ahnung. Ich bin nicht länger verstrickt in
meinen Verstand auf die Art, wie ich es vorher war. Es gibt lange Perioden,
da der Verstand nur minimalaktiv ist. Ich fühle, ich könnte
nahe an der Erleuchtung sein, aber je näher ich mich ihr fühle,
umso weniger weiß ich, was es bedeutet. Es ist so, als stündest
du im Basislager und schaust nach oben zum Berggipfel. Du siehst den Gipfel,
und er ist deutlich ausgeprägt und klar zu erkennen. Dann beginnst
du hinaufzusteigen, und du zielst immer auf die Spitze. Am letzten Tag,
wenn du ganz nah bei der Spitze bist, im letzten Zeltlager, wachst du
morgens auf. Du schaust aus dem Zelt, und plötzlich ist da kein scharfer
Umriß, kein Ziel mehr. Vielleicht ist da noch ein Stück flacher
Fels zu erklettern. Das, was dich den ganzen Weg lang zog, fast bis zum
Gipfel, ist nicht mehr zu sehen. Du bist mit dem Gipfel verschmolzen.
Diese Übereinstimmung ist es, was ich fühle, also ich kann die
Frage nicht bestimmter beantworten. Ich habe wirklich keine Idee.
Welche Frage würdest Du Papaji stellen, wenn er jetzt hier wäre?
Ich verbrachte gestern zwanzig Minuten mit Papaji, weil ich über
ein Buchprojekt mit ihm sprechen wollte. Aber dann hatte ich keine Fragen.
Zum ersten Mal war ich in der Lage, ganz entspannt mit ihm zu sein, weil
ich nichts wollte.
Wenn Du eine letzte Gelegenheit hättest, ihn zu treffen und über
Erleuchtung zu reden, würdest Du ihn etwas fragen?
Nein. Ich habe jetzt seit mehr als zwei Jahren dagesessen, ohne eine Frage
zu stellen. (Er blieb weitere drei Jahre ohne Fragen.) Ich hätte
jederzeit eine Frage stellen können, und es gab niemals eine Frage.
Was ist dann der Grund, zum Satsang zu gehen?
Ich weiß es nicht. In einem Sinne gibt es keinen Anlaß. Oftmals
am Morgen, auf dem Weg zum Satsang, frage ich mich selbst, warum ich gehe.
Dann habe ich einige wundervolle Momente während des Satsang. Ich
denke dann, "Das ist es, weshalb ich kam!". Nicht zu wissen,
ist großartig. Ich bin einfach hier. Ich muß nirgendwo andershin
gehen. Ein Teil des Grundes, warum ich zum Satsang gehe, ist, daß
da eine Gruppe von Leuten ist, die jeden Tag da sitzen. Ich genieße
das sehr.
Kürzlich erlaubte ich meinem Verstand und meinen Gefühlen, sich
mit der Idee zu beschäftigen, daß ich seit sehr langer Zeit
hier bin und es Zeit ist zu gehen. Wohin gehe ich? Dies hielt für
einige Tage an. Ich fühlte mich unsicher wegen meines Hierseins und
empfand, als sollte ich weggehen. Das Ergebnis ist, daß ich noch
hier bin und keine Pläne habe, irgendwohin zu gehen.
Vielleicht ist es die Sache mit der Glückseligkeit, die Dich hier
hält?
Vielleicht. Es ist nicht immer glückselig. Manchmal bin ich einfach
berührt. Ich bin berührt von einigen Späßen oder
von Papajis unglaublicher Fähigkeit, Leute zu sehen. Ich bin erstaunt
darüber, wie er, innerhalb Sekunden, direkt in die Menschen hineinsehen
kann. Sie bekommen nicht die Antworten, die sie erwarteten oder wünschten,
aber sie bekommen absolut immer das Richtige. Oft empfinde ich eine enge
Verbindung mit dem, wie es richtig ist, und er hat sie genau und wunderschön.
Das berührt mich immer.
Ich bin sehr berührt von der Liebe. Ich liebe diesen Mann, die Art,
wie er scherzt; die Art, wie er jeden Tag kommt. Er ist so mitfühlend
und geduldig und genießt einfach sein Leben. Sein Leben ist es,
Satsang zu geben, und das ist wunderschön. Er ist erreichbar, offen,
ob Leute kommen oder nicht. Es ist nicht wichtig, ob viele Leute oder
nur wenige kommen. Wenn überhaupt, dann zieht er wahrscheinlich weniger
Leute vor.
Es gab eine Zeit, da war es fast so, als müßten wir hier
erleuchtet worden sein. Wir hatten eine Erfahrung öffentlich vor
jedermanns Augen, und dann machte es Dich zu einem Teil dessen, was hier
geschah. Es bedeutete, Du hattest ein Etikett. Dann solltest Du es hochhalten.
Für mich zumindest, ich empfand es so, ich sollte es bewahren.
Wenn du das so sagst, setzt du voraus, daß es so etwas wie einen
Kreis von Leuten, ein Publikum gibt...
Nein, in Bezug auf Papaji, der Druck, nicht zu zweifeln, irgendsoetwas.
Ich empfinde nicht so. Ich glaube, wenn eine brennende Frage hochkommen
würde, dann würde ich sie fragen. Warum nicht? Zum Beispiel,
vergangenes Jahr ging ich für eine Woche nach Bombay, und zufällig
bevor ich abreiste, gab mir jemand die Telefonnummer von Ramesh Balsekar.
Ich rief ihn an und besuchte ihn. Ich verbrachte eine Stunde mit ihm.
Es war sehr schön, aber ich mußte nichts fragen. Hier war ein
Mann, dessen Leben auf Bewußtheit ausgerichtet war, und da war die
Gelegenheit, gemeinsam in dieses Abenteuer zu gehen und Dinge zu erörtern.
Als ich das erste Mal nach Lucknow kam, hatte ich ein sehr starkes handgreifliches
Gefühl von "Ich will etwas bekommen". Es war seit Jahren
da. Es war, als ob vor meiner Nase eine Möhre baumelte, und ich erwischte
sie nicht. Jetzt ist dieses Gefühl weg.
Zu jener Zeit, und auch all die Jahre vorher auf dem Weg, war es enorm
wichtig für mich, die Wahrheit zu finden. Ich gab all die Äußerlichkeiten,
ein Jemand zu sein, im Beruf etwas darzustellen, Geld zu verdienen oder
ein normales Leben mit einer Familie zu führen, auf. Ich konnte all
diese Dinge leicht ziehen lassen, weil meine Konzentration auf die Wahrheit
so stark war. Dieses Ausgerichtetsein auf Wahrheit war immer sehr wichtig
für mich. Jetzt fühle ich mich der Wahrheit nah, und ich stelle
fest, daß Wahrheit ein Spaß ist. Wahrheit ist Nichts. Auf
eine Art gibt es sie gar nicht. Alles, was ich sagen kann, ist, sobald
du ihr sehr nahe kommst, gehst du darin auf, und es gibt nie mehr ein
Ziel oder eine Richtung oder den Drang irgendwohin zu gehen, du bist aus
ihr gemacht. (Schweigen.)
Ich bin es jetzt. Mit dir hier sitzend, die Kamera, es fühlt sich
ein bißchen komisch an, und ich höre zu, was ich sage, und
ich staune:"Gut, es ist wahrscheinlich alles Unsinn." (Gelächter)
Es macht auch nichts, wenn es so ist. Wir nehmen dieses kleine Video auf,
wie wir übereinkamen, und es ist in Ordnung. Es ist Spaß. Wenn
es jemanden berührt, großartig; wenn nicht, auch großartig.
Hast Du der Gesellschaft irgendetwas zu sagen?
Ich sage, daß es das alles wert gewesen ist. Was immer ich tat in
meinem Leben, - auch wenn die Gesellschaft sagen könnte, daß
ich draußen stehe und auf eine Menge verzichtet habe, - ich weiß
immer noch, ohne darüber Zweifel zu haben, daß es das alles
wert war.
Einfach wegen der Art und Weise, wie Du Deinen Körper und Verstand
empfindest, macht es Dir nichts aus?
Ich glaube, da ist kein so großer Unterschied zwischen deinem Körper
und meinem. Zum Beispiel, wenn mir jetzt jemand anbieten würde, für
den Rest meines Lebens eine Frau zu sein, ich würde ja sagen, es
wäre herrlich. Ich meine, ich würde keine Geschlechtsumwandlungsoperation
machen. (Lacht.) Aber wenn jemand zaubern und mich in eine Frau verwandeln
könnte, würde ich ja sagen. Ich bin bereit dafür. Es wäre
ein Riesenspaß. Mein Leben ist da für Vergnügen, für
Spiel. Obwohl ich nicht immer spielerisch bin, es fühlt sich so an,
das Leben ist Spiel.
Ich könnte auch zu dem zurückkehren, was ich ursprünglich
tat und Architekt sein, der Gebäude entwirft. Ich könnte das
machen. Es wäre in Ordnung, weil diese Einstellung, daß alles
Vergnügen ist, alles beeinflußt. Ich habe gesagt, daß
ich mich zu jener Zeit nirgends wohlfühlte. Doch in Wirklichkeit
fühlte ich mich mit mir selbst nicht wohl. Jetzt gibt es dieses Gefühl
von Selbst, und das Alltagsleben brodelt einfach weiter.
Es ist wichtig, natürlich zu sein. Wenn ich in meine Vergangenheit
zurückschaue und innerlich Verbindung aufnehme zu Premananda, als
er zwanzig war, - er war unnatürlich. Ich war nicht mit den Schwingungen
von Natur oder Kosmos verbunden, ich war nicht mit der Erde verbunden.
Ich war überhaut kein natürlicher Mensch. Ich war starr und
beschränkt und innerlich am Platzen, - in meinem Verstand alle Arten
von Ideen und Glaubenssätzen.
In diesem Zustand ist es fraglich, ob die Existenz überhaupt so natürlich
fließen kann,wie sie es jetzt tut.
Als ich jünger war und an den Tod dachte, waren da eine gewaltige
Angst und Widerstände. Aber der Tod ist ein vollkommen natürlicher
Teil unseres Lebens, so wie geboren zu sein ein ganz natürlicher
Teil ist. Wenn Du jedoch völlig ängstlich und eng in dieses
Erlebnis gehst, kannst du an dem Prozess gar nicht bewußt teilnehmen.
Natürlich, du stirbst in jedem Fall, weil es diesen körperlichen
Zusammenbruch gibt, aber wirst du durch diese Erfahrung mit Würde
und Leichtigkeit und Hingabe gehen? Nein, nicht, wenn du eng bist und
beschränkt.
Denkst Du, es macht etwas aus?
Mir ja. Als ich dort saß und mit der Existenz in Verbindung kam,
entspannt genug, zu akzeptieren, was mir geschah, dann hätte ich
es so beschrieben, daß Premanandas Bewußtheit ihn in diesen
Zustand geführt hat. Ich benutzte meine Bewußtheit, das Bewußtsein,
das für jeden erreichbar ist, um in diesen Zustand zu gelangen. Ich
habe mein ganzes Leben dem gewidmet. Ich habe meine Wahl getroffen, um
diese Bewußtheit zu erreichen, die mich zu dem Moment führt,
wo ich loslassen und in diesem großartigen Erlebnis des Todes einfach
sein kann.
Also gut, Du bist in der Lage loszulassen oder nicht loszulassen, das
macht keinen Unterschied außer...
Ich rede nicht über besser oder schlechter in irgendeinem letzten
Sinne, aber es gibt einen großen Unterschied zwischen einem Tod
mit Widerstand und einem Tod in Natürlichkeit. Praktisch gesehen
gibt es einen wichtigen Unterschied, ganz einfach zwischen Leiden und
Ekstase. Wenn du dich gegen eine große Kraft sträubst, leidest
du in direktem Verhältnis zu deinem Widerstand. Wenn du losläßt,
kann der Moment hinreißend sein. Es scheint, als ob der Tod, der
so ein großartiges Erlebnis ist, die Möglichkeit zu großer
Ekstase enthält. Wir reden über den Tod, weil es so ein endgültiger
Moment ist, zumindest für diesen speziellen Körper-Verstand.
Nun ja, alles, was wir in unserem alltäglichen Leben tun, ist das
gleiche Erlebnis. Halten wir fest oder geben wir uns hin? Also, ich rede
über mein eigenes Leben, Alltag, Moment für Moment, genauso
wie über meinen Tod. Was auch geschieht, es ist gut. Das zu sagen
und innen zu fühlen als meine Wahrheit, ist ein unglaublicher Unterschied
für mich zu dem, wie ich früher war.
Natürlich unterschiedlich, doch vielleicht bist du deshalb nicht
erleuchtet.
Ich fühle, ich bin irgendwo oben am Gipfel dieses Berges, den ich
zu erklettern versuchte. Wenn es so ist, wunderbar, wenn nicht, auch.
Du weißt, es könnte sein, daß in Gipfelnähe ein
Sturm aufkommt und dich hinunterbläst. Du rutschtst den ganzen Weg
hinunter bis du dich plötzlich am Basislager wiederfindest. Du hast
es nicht geschafft! Aber ich fühle, so ist es nicht. Es gibt eine
Quelle, von der eine Kraft ausgeht, die alles zum Selbst zieht. Und in
Gipfelnähe scheint die Sonne mit besonderem Glanz, gibt es einen
Genuß von Gnade, die dich leicht und innig zu sich selbst hinbewegt.
Das ist meine Wahrnehmung der Dinge. Ich bin irgendwo am letzten Lager,
und da ist ein starkes Gefühl von Zufriedenheit. Diese tiefe Zufriedenheit
gibt es seit langem.
In dieser Erfülltheit geschehen wundersame Dinge. Manchmal sprengen
sie meinen Verstand. Wie kürzlich: Vor vier Monaten ging ich nachts
spazieren. Ich verließ mein Haus, und anstatt nach links zu gehen,
was ich normalerweise tue, um in die Natur zu gehen, ging ich nach rechts
und gelangte vor ein großes Haus in Gomti Nagar, ein sehr großes
Haus. Es war so groß, daß ich dachte, man könnte es als
Satsang Halle nutzen. Alle Lichter waren an, und aus irgendeinem Grund
ging ich hinein. Drinnen stieß ich auf den Besitzer. Das ganze Jahr
über war das Haus leer gewesen. In der Nacht war der Besitzer da
mit einigen Arbeitern. Sie beendeten gerade, die Marmorfußböden
zu polieren. Wir unterhielten uns lange, und er zeigte mir das ganze Haus.
Am Ende der Unterhaltung sagte er zu mir, "Warum kommen Sie nicht
und leben in diesem Haus? Meine Kinder sind noch klein, und ich lebe auf
der anderen Seite von Lucknow in der Nähe ihrer Schule, und ich will
nicht wirklich hierherziehen in den nächsten ein, zwei Jahren."
Ich sagte, "Nein, nein, Sie scherzen, ich habe ein Haus. Ich bin
es müde, ein Gästehaus zu betreiben, das Letzte, was ich brauche,
ist noch ein Haus. Ich will lieberzum Strand gehen."- Innerhalb von
zwei Wochen lebte ich in dem Haus! Ich hatte nicht das Geld dafür.
Es war ein riesiger Spaß. Ich hatte keine Ahnung, warum ich in dem
Haus wohnte. Es war wunderschön. Der Besitzer hatte den Marmor sorgsam
ausgewählt, alle Holzarbeiten waren wunderschön, und es war
eine Freude, dort zu sein, als Architekt und als jemand, der Schönheit
genießt. Ich hatte eine großartige Zeit, drei Monate, bis
ich eines Tages merkte, ich hatte nicht das Geld so weiterzumachen. "Das
ist lächerlich. Das ist kein Spaß mehr, ich muß damit
aufhören." In drei Tagen packte ich alle meine Sachen auf drei
Rickshaws und zog zurück in mein Gästehaus.
Ich habe nie gewußt, warum ich dorthin ging und warum ich wegging.
Es war ein großes Spiel für die drei Monate, die ich dort war.
Ich begann, zum ersten Mal in meinem Leben, Gott anzubeten. Es gab dort
einen wunderschönen Altar im Haus, der Krishna geweiht wurde. Das
Haus rief danach, Krishna Haus genannt zu werden. Am ersten Tag ging ich
aus, um einige Eimer und Hausrat für die Badezimmer zu kaufen und
kam mit einer teuren Messingstatue von Krishna und Radha zurück,
die ich auf den Altar stellte. Einige Tage danach kam ein Hindu vorbei
und bot mir an, eine Puja in dem Altarraum durchzuführen. Drei Monate
lang machte er ständig herrliche Puja`s im Haus, sang Bhajans, läutete
die Glocke und machte alle möglichen lustigen Sachen. Ichliebte es.
Das gab es nie zuvor in meinem Leben, und tatsächlich hatte ich mich
immer gegen so etwas gesträubt. Ich empfand, es war Unsinn zu Gott
zu beten, und hier tat ich es selbst und lud Freunde ein zum Singen. Wir
hatten herrliche Zeiten, wo wir gemeinsam sangen. Es war wie eine göttliche
Verrücktheit, und ich kann nicht sagen, warum ich es tat und es jetzt
nicht mehr tue, nachdem ich in das alte Haus zurückgekehrt bin.
Es geschah in dem Haus für jene wenigen Monate, es war herrlich.
Es war ein großes Spiel ohne irgendeinen bestimmten Sinn. Ich bin
sicher, jeder hätte mir gesagt, daß ich verrückt bin.
Aber, ich tat`s. Ich kann mich selbst so sehr loslassen, daß ich
es einfach tun kann. Ich empfinde das als wunderbar. Früher in meinem
Leben hätte ich eine Liste gemacht, das Erste, was ich gemacht hätte,
wäre eine Liste gewesen. Soll ich in das Haus einziehen? Soll ich
nicht in das Haus einziehen? Dann wäre ich endlos vor und zurück
gegangen in meinem Verstand. Jetzt geschehen diese Dinge anders, und ich
mag dieses Spiel.
Ende
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