BEGEGNUNG
mit Premananda

Lebensweg

Premananda spricht mit Eddie Blatte
Januar 2003 - Tiruvannamalai, Indien


Premananda

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Über Erleuchtung




HOMEPAGE

 

Vielleicht können wir damit beginnen, daß Du Dein früheres Leben in England beschreibst und wie es kam, daß Du Dich für Spiritualität interessiertest?
 
Ich bin im Dezember 1944 in Bangor, Nord Wales, im Vereinigten Königreich geboren. Die ersten Lebensjahre, die ich selbstverständlich nicht erinnere, verbrachte ich mit meiner Mutter in einem kleinen Landhaus an einem weitläufigen Sandstrand. Zu dieser Zeit ging der zweite Weltkrieg zu Ende, und mein Vater, der Arzt in der Britischen Armee war, befand sich in Deutschland.
In den ersten Lebensjahren hatte ich gar keinen Kontakt zu meinem Vater, dafür sehr engen Kontakt mit meiner Mutter, die ich als eine sehr sanfte Person erinnere. Die Fotografien aus dieser Zeit zeigen mich als ein niedliches blondgelocktes Baby und meine Mutter als eine ganz reizend aussehende Frau. Ich erinnere, daß es eine sehr glückliche Zeit für mich war, gleichzeitig gab es wohl auch eine Bewußtheit der gefährlichen Kriegssituation. Mein Vater kehrte zurück, als ich ungefähr ein Jahr alt war, und Fotografien zeigen ihn als einen jungen,- er war Anfang Dreißig, lächelnden, typischen Mittelstand-Arzt.
Kurz danach zog die Familie nach Ipswich, einer kleinen Stadt etwa hundert Kilometernordöstlich von London, - eine sehr ländliche Stadt. Wir hatten ein Haus am Stadtrand in der Natur, und kurz nachdem wir umgezogen waren, wurden mein Bruder und meine Schwester geboren und später noch ein Bruder, der immer der "kleine Bruder" blieb. Also habe ich zwei Brüder und eine Schwester. Wir lebten zusammen in dem Haus über fünfzehn Jahre, und ich erlebte dort sowohl meine Kindheit als auch die Jugendzeit.
Es war ein sehr typisches Mittelstandshaus. Ich wuchs in den fünfziger Jahren auf. Materiell gesehen war es recht einfach, doch sowie ich zurückschaue auf diese Zeit, gibt es immer nur glückliche Erinnerungen. Meine Kindheit war eine Mischung des Einflußes meiner Mutter, die Hausfrau war und unser Spiel ermutigte, sie gab uns eine Menge Freiheit und Raum zum spielen, und dem Einfluß meines Vaters. Mein Vater war tagsüber außer Haus. Er war eine Autorität und ziemlich intellektuell. Bei den Mahlzeiten wirkte er oft mit seinen Gedanken sehr weit weg. Unsere Familie war sehr ein sehr festes Gefüge, wir saßen zusammen bei Tisch und hatten sehr konventionelle Mahlzeiten miteinander. Ich erinnere mich, daß ich eine Handvoll Freunde in der Gegend hatte, und weil wir auf dem Land wohnten, konnten wir rausgehen und draußen unsere Abenteuer erleben.
 
Also, schätze ich, wenn wir zu den sechziger Jahren kommen, war das die Zeit, als Du zur Universität gingst? War das in London?
 
Ja, als ich zwanzig war, verließ ich die Familie und zog nach London und studierte Bauwesen. Diese Wahl war willkürlich, ich hatte wirklich keine Idee, was ich tun wollte. Ich wurde ein beeidigter Bauingenieur für Hoch und Tiefbau. Doch in dem Moment fing ich an, ein Gefühl dafür zu bekommen, was meine wahren Interessen waren und was ich tun wollte.
Ich war ungefähr dreiundzwanzig Jahre. Ich erkannte, daß Bauwesen mir viel zu mechanisch und technisch war. Ich bekam eine Arbeit in einer Firma, die eine Mischung aus Ingenieuren und Architekten beschäftigte. Es ist eine bekannte Firma , die das Opernhaus in Sydney und das Zentrum Pompidou in Paris entworfen hat. Es warein großes spannendes, internationales Unternehmen. Ich begann etwa 1967 dort zu arbeiten. Die Arbeit war herausfordernd und interessant, doch bereits von den ersten Tagen an erkannte ich, daß es nicht mein Ding war. Ich bekam einen Riesenschock, als ich zum ersten Treffen der Ingenieure ging und mich umsah im Raum und erkannte, daß ich am falschen Platz war. Ich fühlte nicht die kleinste Verbindung mit diesen Leuten.
 
Fühltest Du, daß etwas fehlt, das Du finden mußt?
 
Bereits seit dem Ende meiner Jugendzeit hatte ich eine sehr starke Frage. Ich erinnere, als Jugendlicher saß ich oft an den späten Abenden noch mit meinem Vater, und wir hatten lange Unterhaltungen und Streitgespräche bis weit in die Nacht über die Welt und das Leben und Philosophien. Ich erinnere jene Debatten als eine Erkundung des Lebens.
Ich beschäftigte mich sehr mit dem Verständnis von Leben und Mensch. Ohne all dieseGespräche blieb ich mit einer Frage allein zurück. Es war eine sehr drängende Frage, die immer stärker wurde zu Beginn meiner zwanziger Jahre, jedoch wußte ich nicht, was für eine Frage es war, und ich hatte keine Ahnung, was die Antwort sein könnte. Die Frage schien sich darum zu drehen, daß ich mich nicht richtig einfügte, nicht wirklich dazugehörte, - ich fühlte nicht "dies ist mein Leben und was ich sein will". Als ich Ingenieur wurde und erkannte, daß ich diesen Beruf nicht will, durchlebte ich einige Jahre voll Chaos und Verwirrung, während ich verzweifelt nach etwas Ausschau hielt, wohin ich besser paßte.
 
Und das hat Dich schließlich dahin geführt, Deine Arbeit aufzugeben und die Insel zu verlassen und zu reisen?
 
Was passierte war, daß ich endlich, nach einigen Whiskies, meine Arbeit kündigte und zurück zur Universität ging, um Architektur zu studieren. Ich ging als ein reifer Student, ich war älter als die meisten anderen Studenten. Ich besuchte eine wunderschöne Architekturschule. Es war eine unabhängige Schule, die interessante Lehrer aus der ganzen Welt anzog.. Der Lehrplan drehte sich nicht nur um Architektur, auch um viele andere Themen in Bezug zur Architektur und menschlichen Zivilisation und Kultur. Ich absolvierte diese Hochschule als Architekt, und mit der Sehnsucht, mich selbst zu entdecken und meine Beziehung zum Leben - "Was ist Leben, was ist es überhaupt?" Diese Frage war sehr drängend geworden.
Als ich die Hochschule beendete, fühlte ich, daß ich im alten Trott lebte, soweit das mein tägliches Leben in London betraf. Ich hatte einige japanische Architekten getroffen, und sie waren sehr ermutigend und fragten mich, ob ich nach Japan kommen wolle. Ohne groß zu überlegen, entschied ich, für drei Monate nach Japan zu gehen. Ich ging nach Japan und bekam eine Arbeit in einem Architektenbüro in Tokyo, und sofort ging ich durch einen gewaltigen Kulturschock. Ich mußte meine abgehobene englische Mittelstandserziehung konfrontieren, - sehr traditionell, förmlich, gesetzt und steif.
Damals trug ich eine goldgerahmte Brille, einen Spitzbart und weiße Anzüge. Ich hatte ein Yuppie-Image, das tatsächlich sehr gut mit den Japanern zusammenfiel. Sie waren sehr entgegenkommend zu mir. Ich traf eine Menge interessanter Leute. Aber diese innere Frage wurde noch drängender. Ich durchlebte eine "dunkle Nacht der Seele". Es war nicht nur eine Nacht, es hielt mehrere Jahre an. Ich blieb in Japan. Ich verschob immer wieder meine Abreise, teils, weil ich von der so anderen Kultur gefesselt war, aber hauptsächlich, weil ich vertieft in einen inneren Dialog war, ausgelöst dadurch, daß ich mich in einer fremden Kultur befand. Es war sehr gut, daß ich in Japan war. Obwohl ich viele Freunde hatte, war ich allein. Ich traf eine japanische Frau (eine Modedesignerin), die später meine Ehefrau wurde.
 
Hatte sie etwas zu tun mit Deinem nächsten Schritt auf dem spirituellen Pfad und damit, einen Lehrer zu finden?
 
Nicht wirklich, nein.
 
Also wie geschah das dann?
 
Das geschah auf ganz erstaunliche Weise. Obwohl ich schon achtundzwanzig Jahre alt war, hatte ich immer noch keine Ahnung vom spirituellen Leben. Ich begann mit Akupunktur und Shiatsu, also bewegte ich mich in eine spirituelle Richtung, aber nicht bewußt. Plötzlich übernahm das die Existenz. Ich hatte es eingerichtet, einen Architekten zu treffen, um über Japanische Architektur zu sprechen. Er war ein sehr interessanter Mann. Er war ein Deutscher und Professor bei M.I.T. in Boston, Amerika, und er lebte mit seiner japanischen Ehefrau in Kyoto. Ich war ihm vorgestellt worden, weil er ein Experte für Japanische Architektur war, und ich traf eine Verabredung mit ihm und besuchte ihn.
In der Nacht redeten wir fast nichts über Architektur. Er und seine Frau bereiteten ein ausgezeichnetes Abendessen. Eine seiner Studenten, eine chinesische Frau, war auch da, und wir setzten uns alle nieder zum Essen in ihrem traditionellen japanischen Haus. Sie begannen über Tantra, Yoga und Meditation zu sprechen. Und all das war völlständig neu für mich. Ich muß einiges Interesse gezeigt haben, denn wir redeten die ganze Nacht durch. Erst in der Morgendämmerung, als es bereits heller wurde, schlug jemand vor, schlafen zu gehen!
Dieses Gespräch in jener Nacht war der große Wendepunkt in meinem Leben. Auf eine Weise veränderte es vollständig mein Leben, obwohl ich die Bedeutung nicht wirklich verstand damals. Als sie mir am nächsten Morgen eine Kassette ihres spirituellen Lehrers, Rajneesh, vorspielten, war ich nicht richtig interessiert. Ich sagte zu ihnen: "Es tut mir leid, es war eine sehr nette Nacht, aber ich glaube nicht, daß das etwas für mich ist." Ich erinnere, wie wir das Haus verließen, und sie sagten, "Du bist absolut bereit dafür."
Dann nahm das Leben seinen Lauf. Es war wirklich verblüffend. Ich hatte alles arrangiert, Yoshiko, die meine Frau geworden war, mit nach England zu nehmen, um Weihnachten bei meinen Eltern und Freunden zu sein. Danach reisten wir nach Paris für eine Woche Urlaub. Das Flugzeug zurück nach Japan kam wegen irgendwelcher technischer Probleme nicht an, und die Fluggesellschaft brachte uns für eine Nacht in einem Hotel unter. Am nächsten Morgen erhielten wir eine neue Flugkarte und stiegen ins Flugzeug, es war Air India. Wir flogen über Delhi nach Tokyo zurück. Als wir uns Delhi näherten, sagte ich plötzlich zu Yoshiko, "Also, warum steigen wir nicht in Delhi für ein paar Tage aus und schauen uns Indien an?" Wir entschieden uns, der Eingebung des Augenblicks folgend, es zu tun.
Am nächsten Morgen ging ich zum Büro der Fluggesellschaft, um unseren Flug bestätigen zu lassen, und erstaunlicherweise sagten sie mir, daß wir reguläre Flugkarten (keine eingeschränkten) hätten, und wenn wir wollten, könnten wir ohne zusätzliche Kosten durch Indien fliegen. Also sagte ich zu meiner zukünftigen Frau: "Gut, warum machen wir nicht jetzt unsere Flitterwochen? Wir können durch Indien reisen und uns all diese Orte ansehen, und dann kehren wir ein paar Wochen später nach Japan zurück."
Wir waren uns einig und besuchten all diese interessanten Orte und hatten eine herrliche Zeit.
Irgendwann kamen wir nach Bombay, und wir erkannten, daß wir ganz in der Nähe des Ashrams von diesem deutschen Professor, den ich in Kyoto getroffen hatte, waren. Spontan entschieden wir uns, den Ashram zu besichtigen. Wir nahmen den Zug nach Puna und kamen zum Rajneesh Ashram. Als ich durch das Tor ging, welches "Das torlose Tor" genannt wurde, fühlte ich mich umgehend zuhause. Es war unglaublich. Ich hatte immer gefühlt, daß ich nirgendwo hineingehöre, und auf einmal spürte ich, dies ist mein Platz, ich war Zuhause. Das Gefühl war sehr ergreifend, stark, kraftvoll, und es gab keinen Grund dafür. Es war, als ob die Frage, die ich seit zehn Jahren mit mir herumtrug, plötzlich beantwortet sei. Es war eine erstaunliche Erfahrung.
Wir gingen zu den Morgenvorträgen und hörten Rajneesh, der Osho wurde, sprechen und nahmen an einigen der Workshops und Seminare des Ashram teil. Was nur ein paarTage werden sollten, daraus wurden zwei Wochen. In dieser Zeit verlor ich alle meine Aufträge in Japan, - japanische Unternehmen mögen es nicht, wenn Du mit einem Monat Verspätung auftauchst. Ich wußte, daß dies passieren würde, aber irgendwie war mir alles egal, weil der Augenblick so kraftvoll war. Ungeachtet dessen, ich mußte einfach dort bleiben. Das war die große Veränderung in meinem Leben.
 
Hast Du eine Beziehung zu Osho entwickelt und wurdest Du sein Anhänger?
 
Nicht zu dieser Zeit. Es war erst ein Anfang. Ich hatte noch eine Menge Fragen, denn ich war ein Mensch, der sehr in seinem Kopf war. Wir kehrten nach Japan zurück und entschieden beide, daß wir ein Jahr in Japan bleiben würden, um Geld zu verdienen, und dann, auf unserem Weg nach England, wo wir unser neues Eheleben planten, in diesen Ashram zurückkehren würden.
Wir heirateten, und ihre Familie gab ihr etwas Geld, es war exakt der gleiche Betrag, den ich in dem einen Jahr verdient hatte. Also hatten wir beide Geld, und wir reisten von Japan durch China und Asien. Wir gingen auf eine wunderschöne Reise und endeten im Puna Ashram. Wir fanden einen hübschen Platz zum leben und ließen uns nieder. Aber eigentlich waren wir ganz klar auf dem Weg nach England, um ein neues Leben zu beginnen.
 
Was war mit Osho, daß es Dich so stark zu ihm hinzog, daß Du zurückkehrtest? War es der Mann oder seine Lehren?
 
Ich glaube, es war eine Mischung. Da war ein gewaltiges Gefühl von Erregung, Liebe, Verrücktheit, Wunder und Schönheit zu dieser Zeit in diesen Ashram. Es war 1976 und der Beginn des Ashrams. Osho selbst war sehr jung, und seine Vorträge sehr dynamisch. Er sprach über Dinge, über die ich niemals wirklich nachgedacht hatte, und er war herausfordernd in Bezug auf alles, woran ich glaubte. Er wies sehr stark in eine andere Richtung, auf eine andere Möglichkeit. Er selbst repräsentierte die Machbarkeit einer inneren Verwandlung, die mich und meine Beziehung zur Welt radikal verändern würde. Und das war sehr anziehend.
 
Also gab es etwas Unbefriedigendes in der Weise, wie Du lebtest?
 
Obwohl mein Familienleben ein glückliches gewesen war, als ich das Zuhause verließ und in die weite Welt ging, war es eine Welt, mit der ich mich nicht so leicht verbinden konnte oder teilweise auch nicht wollte. Und hier im Ashram fand ich alle Bestandteile, die mir die Antwort auf mein Dilemma schienen.
 
Wie lange warst Du mit Osho? Bliebst Du als ein Anhänger?
 
Nach wenigen Monaten wurde ich Sannyasin, das bedeutet, ich wurde direkt von Osho eingeweiht, und er gab mir einen neuen Namen und eine Mala zu tragen. Ich war Teil der Gemeinschaft und leitete Meditationen im Ashram. Ich war schon Künstler, also waren meine engsten Freunde Maler. Es gab eine Malgruppe dort.
Yoshiko blieb auch. Sie hatte einigen Widerstand, weil sie fühlte, wie sich meine Energie von ihr weg bewegte. Es war, als hätte ich eine andere Geliebte, aber meine Geliebte war in Wirklichkeit der Mann, der Meister genannt wurde. Sie sträubte sich gegen diese Situation und wäre froh gewesen, wenn wir abgereist wären. Doch ein paar Monate nach mir, wurde auch sie Sannyasin und blieb.
Wir blieben ungefähr ein Jahr zusammen, dann begegnete sie einem Mann und reiste ab, sie ging mit ihm nach Europa zurück. Ich entschied, im Ashram zu bleiben. Ich blieb weitere sechs Monate. Ich war insgesamt über anderthalb Jahre dort und wäre länger geblieben, aber Osho reiste ab und flog nach Amerika. Zu dieser Zeit hatte ich keine Wahl, also ging ich nach England zurück.
 
Schließlich starb Osho. Wolltest oder brauchtest Du zu dieser Zeit einen anderen Guru?
 
Ich verbrachte sechs Monate mit der Osho Gemeinschaft in Oregon, U.S.A. Danach verbrachte ich noch ein Jahr in einem Osho Zentrum in Kalifornien. Dann, als er zurückging nach Indien, folgte ich und war wieder Teil des Ashram in Puna und war da für etwa drei Jahre. Ich hatte keinen Gedanken daran, nach einem anderen Meister auszuschauen. Da gab es keine Frage. Ich war völlig auf Osho konzentriert.
Ich bot zu jener Zeit intensive Körperarbeit an, und vorher hatte ich einige von Osho`s Büchern herausgegeben. Ich war auch Maler gewesen und Architekt und arbeitete in der Architektur-Abteilung des Ashram.
Plötzlich verließ Osho seinen Körper. Es war nicht vollkommen unerwartet, da er seit einem Jahr krank gewesen war, doch als es passierte, war es ein Schock. Ich glaube, ich blieb noch für ein Jahr, nachdem er seinen Körper verließ, und es war eine intensive und schöne Zeit, es geschah sehr viel. Ich hatte noch immer nicht die Idee, nach einem anderen Meister Ausschau zu halten.
Ich traf eine russische Frau im Ashram, die Psychologie an der Moskauer Universität studierte, und wir wurden Geliebte. Sie wollte die Körperarbeit, die ich anleitete, an ihrer Universität vorstellen. Sie lud mich ein, nach Rußland zu gehen. Die Person, die diese spezielle Art von Körperarbeit entwickelt hatte, ermutigte mich, der Einladung zu folgen.
Ich reiste in die Sowjetunion, das war vor 14 Jahren etwa, und nichts lief wie geplant. Es war kurz bevor die Sowjetunion zusammenbrach und Rußland daraus wurde. Es war eine sehr interessante Zeit, da das ganze kommunistische System zerbröselte, und nichts funktionierte. Die Leute hatten sehr wenig Lebensmittel, und es gab keine Waren mehr in den Geschäften. Nur wenige arbeiteten. Es gab kaum noch etwas, das normal lief. Das Land wankte am Rande des Zusammenbruchs. Die Leute waren wirklich ausgehungert nach Kontakt mit Westleuten und spirituellen Dingen.
Ich wurde durch eine Reihe von erstaunlichen Zufällen eine Art reisender Guru. Ich hatte das nicht geplant, aber ich fand mich jedes Wochenende dabei, Meditationsworkshops zu geben und die Heilkünste, die ich kannte, zu unterrichten und lange Vorträge zu halten. Bis zu hundert Leuten erschienen, sie schienen aus dem Nichts aufzutauchen. Vollkommen illegal reiste ich durch die Sowjetunion. Ich reiste von Litauen im Westen den ganzen Weg nach Taschkent im Osten. Ich reiste gewaltige Entfernungen mit Zügen, sehr billig. Es gab eine kleine Grupe von Leuten, die mit mir reisten. Es waren wundervolle sechs Monate. Ich bekam einen Geschmack davon, wie es ist, die Wahrheit mit anderen Menschen zu teilen, und ich mochte es sehr.
 
Zog Dich noch etwas nach Indien zurück?
 
Ich verließ die Sowjetunion mit der Frau, die meine Geliebte, meine Dolmetscherin und Freundin geworden war, wir zogen nach England. Zu dieser Zeit war ich die letzten fünf Jahre von Yoshiko getrennt gewesen, obwohl wir noch immer Freunde waren. Die Idee war, daß meine russische Freundin und ich ein gemeinsames Leben in England beginnen würden. Doch ich hatte so ein Gefühl, daß die spirituelle Reise noch nicht vollständig war. Das Gefühl war verschieden von dem, das ich zuvor hatte. Es gab ein Gefühl von Unvollständigkeit. Ich war noch nicht bereit, mich in England niederzulassen und fühlte den Sog, nach Indien zurückzugehen. Ich suchte immer noch nicht nach einem Meister. Ich wollte mir den letzten Schliff holen und wußte nicht, daß es dazu eines weiteren Meisters bedurfte. Ich ging also wieder zu dem selben Ashram in Puna.
Osho war seit über einem Jahr gegangen, und ich ließ mich dort nieder und machte weiter mit meiner eigenen inneren Erforschung. Ich erreichte einen Zustand von innerem Frieden, fühlte mich zuhause in Meditation und spürte eine starke innere Sammlung. Also ich war wirklich nicht unzufrieden, es war eine Art "okay".
Ich hätte vermutlich so weitermachen können, aber plötzlich kam ein frischer Wind auf, und ich hörte etwas über einen anderen Lehrer. Der Name dieses Lehrers war Poonjaji. Ich hatte ein Interview mit ihm gelesen und auch ein Video gesehen. Aber der wahre Auslöser war, daß ich anfing, Leute wahrzunehmen, die von einem Besuch bei diesem Poonjaji zurückkamen. Ich sah eine erstaunliche Verwandlung bei diesen Leuten. Da war ein Leuchten und ein inneres Lächeln in ihnen, das mich berührte.
Das Gefühl war anders als das, was ich zuvor innerlich hatte. Ein Freund versuchte mir klarzumachen, daß wenn ich es begreifen und loslassen könnte, wäre ich frei. Er war so begeistert von seiner Erkenntnis und seinem Verstehen. Das war sehr unerwartet und aufregend, denn ich hatte mir Erleuchtung immer als etwas Entferntes vorgestellt und unerreichbar, und auf einmal erzählte mir dieser enge Freund voller Begeisterung, daß es sofort erreichbar war. Alles, was ich tun mußte, war, diese einfache Wahrheit zu sehen, die ich noch nicht sah. Er versuchte, es mir zu erklären, doch ich konnte ihm nicht folgen. Aber er gab mir den letzten Anstoß, loszugehen und Papaji zu sehen.