Sri Ramana Maharshi's Lehren

Wer bin Ich?

Satsang mit Premananda, Tiruvannamalai, Indien, 2004

Prem: Willkommen zum Satsang. Also jeder möchte gerne glücklich sein. Die ganze Menschheit wäre gerne glücklich, aber sehr oft sind wir das nicht wirklich. Wir sind sogar unglücklich. Manchmal fühlen wir uns ein bisschen elend und traurig, und wenn es sogar noch schlimmer wird als das, fühlen wir sehr viel Schmerz. Deswegen sollten wir verstehen, was da geschieht. Wir alle waren schon oft bei dieser Art von Begegnung und wir wissen, dass der Grund für diesen Schmerz unsere Identifikation mit dem Körper und dem Mind ist. Wir sind sehr mit "meiner Geschichte" identifiziert. Wir glauben tief, dass "ich jemand bin". "Ich bin jemand, du bist jemand und sie sind jemand" und wir erleben das im Außen aus der Perspektive von diesem Jemand. Dies erschafft Dualität, es erschafft Trennung. Dann taucht das Verlangen Eins zu sein auf. Also suchen wir nach Glück und natürlich suchen wir danach im Außen. Wir kaufen uns ein Eis oder Schokolade, ein neues Kleid, wir suchen uns einen neuen Freund, eine neue Freundin. Es muss da draußen etwas geben, das uns glücklich macht. Ununterbrochen spielen wir dieses Spiel. Das nennt man Sehnsucht. Wir haben die Vorstellung, dass es etwas gibt, dass wir uns da draußen holen können und dass es uns glücklich machen wird. Auf eine Art funktioniert das auch. Wenn wir uns erhitzt und verschwitzt fühlen und uns ein Eis kaufen, dann fühlen wir uns ein paar Minuten ganz glücklich mit diesem kühlen Eis. Aber sehr schnell reicht das nicht mehr und dann kaufen wir vielleicht ein zweites Eis, und dieses ist ein bisschen größer und hat mehr verschiedene Sorten. Mit diesem besseren, größeren Eis fühlen wir uns ein kleines bisschen länger besser, aber es funktioniert nicht wirklich. Wenn du also zu so einer Art Begegnung kommst, hast du wahrscheinlich schon eine Menge Eis gegessen, und du hattest wahrscheinlich viele nette Freundinnen und wunderbare Freunde, und hast dir sogar einen roten Sportwagen und die modischsten Kleider gekauft, und du fühlst dich immer noch nicht wirklich glücklich. Du fühlst dich allmählich etwas hoffnungslos und das Leben wird ein bisschen schwierig, denn wie groß muss so ein Eis denn sein? Du fängst an dich von der Anstrengung, ein größeres Eis zu bekommen, erschöpft zu fühlen. Was tun? Du fühlst dich ziemlich hoffnungslos und in dieser wunderbaren Hoffnungslosigkeit kommst du zum Satsang. Dort erzählt dir jemand, dass es tatsächlich eine völlig falsche Vorstellung war, zu versuchen ein größeres Eis zu kaufen, weil du am falschen Ort gesucht hast. Dieser Typ erzählt dir, dass du innen suchen musst, also ist das ok. Aber wie soll ich das tun? Wonach suche ich?

Indem wir hier zum Arunachala und zu Ramana’s Ashram gekommen sind, sind wir irgendwie so nah an der Antwort zu dieser Frage wie möglich. Weil Ramana Maharshi einen Weg zu deiner Wahren Quelle aufgezeigt hat. Wenn du zu dieser Quelle kommst, findest du heraus, dass du Glück bist. Tatsächlich gibt es dort nichts zu tun, weil deine wahre Natur Glück ist, und sogar noch besser als Glück: Du bist Stille und Frieden. Das ist besser als Glück, denn wenn du manchmal glücklich bist, dann wirst du auch unglücklich sein. Glück geht Hand in Hand mit Unglück.

Wir suchen nach etwas, das unsere wahre Natur ist. Sie ist sehr friedvoll, sehr einfach, sie hat keine Grenzen, sie ist sehr still, nichts bewegt sich. Die Buddhisten nennen das Leere, no Mind. Die Hindus nennen es Atma, das Selbst. Dieses Selbst ist unsere Wahre Natur. Da ist keine Frage danach irgendetwas zu bekommen, du bist diese Präsenz.

Es gibt diese eine Schwierigkeit, dass wir über viele, viele Jahre dazu konditioniert sind, immer im Außen zu suchen. Wir glauben dieser Geschichte absolut, "meiner Geschichte". Wir glauben der Welt und dass wir getrennt sind. Wir glauben das tief. Das ist wie eine Art Hypnose. Das sitzt so tief, dass sogar während ich diese Worte spreche, dein Mind dir wahrscheinlich erzählt, dass Premananda ein bisschen verrückt ist. Wenn du also aus diesem Spiel herauskommen willst, aus dieser Geschichte, dieser Geschichte von "Ich", dann scheint es so, dass du etwas Hilfe brauchst.

Ramana Maharshi schlug etwas vor, das er die Selbstbefragung nannte - die Natur des Selbst zu erforschen oder wenn du willst, deine Wahre Natur erforschen. Wie macht man das? Was er vorschlug, war dies: Was immer du gerade tust, und es ist völlig egal was du tust, kannst du dich fragen: "Wer tut dies?" Die Antwort ist:

"Ich". Dann fragst du dich: "Wer ist ich?" Darauf gibt es keine Antwort. Aber der Effekt, diese Frage zu stellen ist der, dass es deine Aufmerksamkeit von außen nach innen lenkt. Es hat den Effekt, dass diese Art von Hypnose, diese Art von Anhaftung zur Geschichte da draußen sich verändert und du beginnst, in der Quelle zu bleiben. Es gibt also keine Antwort auf diese Frage. Du kannst Arten von Antworten finden, aber diese sind intellektuelle Antworten - sie helfen nicht sehr viel. Aber wenn du diese Frage, "Wer bin ich?", sehr tief stellst, dann findest du heraus, dass du einfach dieses Potential bist. Tatsächlich bist du nur pures Bewusstsein, pures Sein.

Auf eine Art kann man sagen, dass du nichts bist. Nichts zu sein hört sich etwas furcht erregend an, aber ich würde raten, nichts zu sein ist besser als so viel zu sein! Wenn du so viel bist, wenn du "die Geschichte" bist, schleppst du in jedem Moment sehr viel Gepäck herum. Also kannst du den Moment nicht wirklich erfahren. Letztendlich kannst du ihn nur durch eine Menge Filter erleben, und diese Filter sind zum Beispiel deine Glaubensmuster. Wenn du in Japan aufwächst, hast du eine Art von Glaubensfilter, wenn du in Brasilien groß wirst, eine andere. Einer basiert auf Buddhismus, einer auf Katholizismus. Dann haben wir eine bestimmte Art von Familie, wir können das älteste oder das jüngste Kind sein. Wir können sehr liebevolle Eltern haben, oder eher strenge und tyrannische Eltern. All dies beeinflusst unseren Filter. Es gibt also viele Aspekte in Bezug auf diese Filter und wir sind in dem Glauben aufgewachsen, dass wir diese Filter sind: Das bin ich.

Der ganze Sinn der Selbstbefragung ist, viel tiefer zu gehen als das. Wir möchten herausfinden: Was ist in der tiefsten Tiefe, was ist unsere wahre Natur, die von diesen Filtern unberührt bleibt. Wenn du in den Himmel schaust und die Wolken vorbeiziehen siehst: Bist du diese Wolken oder bist du dieses Blau, von dem aus du die Wolken wahrnimmst? Unsere Wahre Natur ist irgendwie wie der blaue Himmel. Er ist unendlich, hat keine Grenzen, er ist beständig, er verändert sich nicht. Wenn wir wirklich dort in diesem Wahren Sein sind, gibt es dort kein Verlangen, weil wir uns absolut genährt fühlen. Es ist so als wären wir voller Schokolade. Wenn du voll mit Schokolade bist, dann hast du kein Bedürfnis nach einem Stück Schokolade. Es ist also ein wundervoller Moment, wenn du deiner Wahren Natur begegnest. Wenn du deiner wahren Natur begegnest, entdeckst du, dass es kein "Du" gibt. Tatsächlich ist es also keine Begegnung - da ist niemand, der dieser wahren Natur begegnen kann, weil du diese Wahre Natur bist.

Es gibt viele Möglichkeiten, den Mind zu beruhigen. Es gibt Atemtechniken, Meditationstechniken, man kann Mantren singen, Japa - man zählt die Perlen einer Kette. Einmal bin ich in ein Elektrogeschäft gegangen und der Eigentümer saß an der Kasse. Er sprach mit mir, aber er schrieb die ganze Zeit irgendetwas. Also schaute ich über die Theke, um zu sehen, was er tat. Er schrieb "Ram". Er hatte Bücher, Bücher und Bücher voll mit diesem "Ram". Dieser Mann schrieb "Ram" hunderte, tausende Male, und auf eine Art ist das sehr schön, denn er richtete seine Aufmerksamkeit nicht darauf, Kühlschränke zu verkaufen, er richtete sie auf Gott.

Es gibt also viele Techniken, die wir nutzen können, uns zu helfen, unseren Mind unter Kontrolle zu bekommen und ihn dann in die Stille zu bringen. Diese Übungen sind alle sehr traditionell, weil sie seit hunderten von Jahren weitergegeben wurden. All diese Übungen funktionieren sehr gut - sie helfen dir nach innen zu schauen und deinen Mind in eine Art Zustand von Frieden zu bringen. Dies kann dein Leben unterstützen, es macht es leichter damit umzugehen und erfreulicher, aber es ist immer noch Dualität. Da ist immer noch jemand, der diese Meditation macht. Jemand, der sich seines Atems bewusst ist. Wenn Leute zu Ramana Maharshi kamen und sie keine bestimmte Übung machten, dann schlug er ihnen die Selbstbefragung vor. Wenn Menschen zu ihm kamen und er jene fragte, "Was ist deine Übung?", und sie eine Übung hatten, dann sagte er: "Sehr gut, mach einfach weiter!" Aber er wusste, dass sie irgendwann zur Selbstbefragung gelangen würden.

Die Selbstbefragung war, wie er sagte, die direkteste Methode, das Selbst zu erkennen. Er sagte, "Was immer du tust, frag dich: Wer tut das?" Die Antwort ist "Ich", und durch diese Antwort gelangt die Energie, die normalerweise außen ist, nach innen zur Quelle. Wenn du damit fort fährst, bleibt deine Aufmerksamkeit innen. Am Anfang kannst du das mit geschlossenen Augen sitzend tun, und deine ganze Aufmerksamkeit auf diese Übung richten. Wenn du dieses Schauen oder eher Untersuchen gemeistert hast, dann kannst du das tun, egal was du gerade machst. Während du durch deinen Tag gehst und was immer du äußerlich tust, kannst du dies nutzen, deine Aufmerksamkeit auf die Quelle zu richten. Also kann man auf eine Art sagen, dass es egal ist, was du äußerlich tust, denn das ganze Bestreben ist es, zur Quelle zu kommen. Die Quelle ist konstant. Wenn du immer wieder zur Quelle kommst, kommst du immer an denselben Ort - das bist du, das Wahre Du.

Zum Beispiel sind wir alle aus vielen Ländern angereist, um zu diesem Ort Indien zu kommen. "Wow, ein komplett neuer Film namens Indien! Wie beziehe ich mich auf Indien? Wie bezieht sich Indien auf mich?" Aber das ist die falsche Frage. Du willst dich doch nicht in dieser Frage über Indien verlieren. Da ersetzt du die eine Geschichte durch eine neue. "In Deutschland verlieren die Bäume ihre Blätter im Winter und jetzt komm ich hierher und die Bäume sind total grün, und biegen sich im Wind. Wie interessant!" Aber das ist der falsche Ort für deine Aufmerksamkeit. Der ganze Sinn ist, zur Quelle zu kommen, und diese Quelle ist dieselbe in Indien, in Deutschland und in Australien. Meine eigene Erfahrung ist, dass es tatsächlich bereichernd sein kann, durch verschiedene Länder zu reisen. Es hilft dir zu erkennen, dass es keinen Sinn macht in der Geschichte gefangen zu sein, es hilft dir zurück zur Quelle zu gelangen. Hier zusammen in Indien zu sein, bietet also eine Gelegenheit, denn alles ist ein bisschen fremd, sogar etwas seltsam, ungewöhnlich. Das kann dir helfen, diese Art von Hypnose zu durchbrechen. "Ich bin englisch." "Ich bin japanisch." "Ich bin ein Mann." "Ich bin eine Frau." "Ich bin ein Zahnarzt." "Ich bin ein Feuerwehrmann." "Ich bin eine Mutter." "Ich bin ein Vater." "Ich bin ein Ehemann." "Ich bin eine Ehefrau." "Ich bin ein Kind." Was immer es ist, wir wollen dieses ganze Zeug einfach loslassen! Das ist sehr drastisch, wenn ich sage, "Lass es los!". Ich meine wirklich, lass alles los! Wenn du das Selbst wirklich erkennen willst, dann willst du alles loslassen! Nicht nur die schlechten Teile, und die guten Teile behalten. Du bist an die guten Seiten genauso angehaftet wie an die schlechten Seiten. Wir suchen nach etwas, das viel tiefer ist als das, grundlegender - und das ist das Selbst.

 

F1: Es hört sich sehr einfach an loszulassen. Kannst du mir sagen, wie ich "Meine Geschichte" loslassen kann?

Prem: Du kannst deine Geschichte loslassen, indem du immer wieder zur Quelle zurückkehrst. All deine verschiedenen Geschichten sind mit dieser Idee von "Ich" verbunden. Diese Frage, "Wer bin ich?", ist wie eine grundlegende Frage. "Ich tue dies, ich tue jenes", sind die verschiedenen Geschichten, aber sie haben immer den Charakter von "Ich".

F1: Aber für mich ist es nicht immer so einfach zur Quelle zu kommen, weil diese vielen Geschichten da sind.

Prem: Richtig. Es ist sehr schwierig, die Geschichten loszulassen, weil du glaubst, dass du die Geschichte bist! Deshalb ist das Loslassen der Geschichte fast ein bisschen wie sterben - weil du an dieses "Ich" glaubst. Wir haben alle Jahre damit verbracht, sie sorgfältig aufzubauen, Stein für Stein. Wir haben so etwas wie eine Festung erbaut und diese heißt "Meine Geschichte". Was ich also vorschlage ist, dass du durch Nutzen der Selbstbefragung diese Geschichte in Frage stellst, "Meine Geschichte". Zum Beispiel, wenn du jetzt nach innen schaust, kannst du dieses "Ich" finden?

F1: Fragst du, ob dieses "Ich" wirklich da ist?

Prem: Ja, wo? Wo ist dieses "Ich"?

F1: Dieses "Ich" erlebe ich als das ich, das spricht, das ich, das hier sitzt, das ich, das irgendwie alles ist...

Prem: Richtig, ja. Das ist ok, das ist das, was die meisten Leute glauben, und dieses Retreat ist so gestaltet, das in Frage zu stellen. Zu untersuchen, ob dies wirklich der Fall ist. Ist das wirklich wahr?

F1: Gerade taucht der Gedanke auf, dass ich nicht wirklich etwas tun kann. Das ist Gnade und dies passiert einfach.

Prem: Das ist also der Punkt, den du siehst: Tue ich das oder passiert es einfach? Zum Beispiel, wenn ich den Arm hochhalte - ist das "Ich hebe den Arm hoch" oder ist das "der Arm hebt sich hoch"? Wir sind so konditioniert zu sagen, "Ich hebe den Arm hoch". Also sagen wir zu allem, was wir tun, "Ich hebe den Arm hoch". "Ich spreche". "Ich trinke dieses Wasser". Ja? Ist das wahr?

F1: Also gibt es kein "Ich"?

Prem: Es gibt kein "Ich", aber du musst das für dich selbst untersuchen. Es ist wichtig, dass du dies wirklich weißt, nicht als eine Vorstellung, nicht als einen Glauben, aber als deine Erfahrung, dein Wissen.

F1: Das ist irgendwie paradox, wenn du uns erzählst, unser Ego in diese Quelle zu bringen und gleichzeitig sagst du, es gibt kein "Ich".

Prem: Es gibt kein Ego und es gibt keine Quelle.

F1: Und es gibt nichts dort hinzubringen?

Prem: Nichts, was es dort hinzubringen gibt, es gibt niemanden, es hinzubringen und überhaupt gibt es keine Quelle.

 

F2: Eine sehr praktische Frage kam mir von heute morgen. Als "Ich" oder wer auch immer heute morgen aufwachte, fühlte es sich total danach an, dass ich im Bett bleiben sollte. Ich dachte, "Oh, ich muss der nette Typ sein und aufstehen".

Prem: Wenn du zu einem solchen Retreat kommst, dann ist das eine bestimmte Art von Hingabe, ja? Du hast dich entschieden oder eine Entscheidung geschah aus irgendeinem Grund, über tausende von Meilen in einem Flugzeug nach Indien und zu diesem Retreat zu kommen - irgendetwas hat dich hierher gebracht. Jetzt bist du hier und du wachst morgens auf und um acht Uhr ist Yoga. Du stehst einfach auf, gehst zum Yoga und gibst dich dem einfach hin. Wenn du dich so fühlst: "Ich will Yoga machen" oder "Ich will nicht zum Yoga gehen" oder "Ich fühle mich nicht nach Yoga" - all das sind Geschichten.

F2: Aber bis zu dem Moment, als ich aufwachte und dachte, "Ich sollte zum Yoga gehen", war keine Geschichte da. Als ich in dem Moment aufwachte, als die Geschichte anfing, war da kein Yoga...

Prem: Es gab keine Geschichte, bis die Geschichte anfing, dann war da eine Geschichte.

F2: Ich denke nicht, dass da eine Geschichte war, die sagte, "Ich will nicht zum Yoga gehen", aber da war kein Yoga bis zu dem Moment, wo die Geschichte begann, dass ich aufstehen sollte.

Prem: Das ist wahr, ja.

F2: Ja, aber wenn das wahr ist, warum...

Prem: Es gibt kein Yoga, bis es beginnt, ja, bis du ein Teil davon bist.

F2: Wenn ich also im Bett bleibe, dann gibt es kein Yoga?

Prem: Nein, dann ist da das Bett!

F2: Ok, danke!

Prem: Die Geschichten sind all die Dinge, die in unserem Mind vor sich gehen: "Ich würde gern zum Yoga gehen, es ist sehr interessant, ich wollte schon immer mal Yoga machen", oder "Ja, ich will zum Yoga gehen, aber diesen Lehrer, den mag ich nicht!" Da gibt es viele Geschichten, ja? Viele Geschichten sind denkbar. Das alles geschieht also im Mind, unserem Glauben, unseren Konditionierungen unseres speziellen Minds entsprechend. Du hast also eine Art von Geschichten und eine andere Person hat eine andere Art von Geschichten.

 

F3: Was ist der Mind? Wo kommt er her?

Prem: Was wir den Mind nennen sind all unsere Erinnerungen, all diese Erfahrungen, die wir im Mind speichern und im Gedächtnis behalten. Wir haben bestimmte Erwartungen der Zukunft gegenüber, vielleicht ein paar Ängste und all das nennen wir Mind. In dem Moment, in dem du weder in der Vergangenheit, noch in der Zukunft bist, wenn du einfach gegenwärtig bist, dann ist kein Mind vorhanden. Man könnte sagen, der Mind ruht sich aus. Wenn du jetzt zum Beispiel vorhast ein Auto zu fahren, könntest du von hier die Treppe hinunter gehen. Dein Körper würde sich selbst die Treppe hinab tragen und dein Mind würde dich herunter führen. Als du jung warst, wurde dir beigebracht zu laufen und eine Treppe hinab zu gehen, und diese Information ist immer noch im Mind gespeichert. Wenn wir also das Wort Mind gebrauchen, meinen wir nicht diesen Teil vom Mind. Auf eine Art sollten wir das wirklich mit zwei verschiedenen Wörtern definieren: der funktionale und der konditionierte Mind. Ohne den Mind wärst du nicht in der Lage, eine Treppe hinab zu gehen, also ist der Mind eine wundersame Erfindung.

Er erlaubt uns, die Treppe runter zu gehen. Es ist tatsächlich ein sehr komplizierter Vorgang, die Treppe runter zu gehen. Jeder Mensch musste das zu einem bestimmten Zeitpunkt lernen. Wenn du am Boden herumläufst, ist das auch ziemlich schwierig und wieder wurde uns beigebracht, wie man das macht. Dann steigst in das Auto ein und fährst los, und wieder hat dir jemand beigebracht, wie man das macht. Wenn du so willst, tut der Mind all diese Dinge. Durch den Mind können wir all diese Dinge tun. Wenn ich das Wort Mind gebrauche, meine ich die Geschichten, die Erinnerungen, die Ängste über die Zukunft, die an dieses "Ich", den konditionierten Mind, angehaftet sind. Deswegen brauchen wir wirklich zwei Wörter für Mind. Es ist ein bisschen so wie persönlicher und unpersönlicher Mind. Es wird also etwas subtil. Wenn du zum Beispiel etwas isst, dann öffnet der Verstand genau im richtigen Moment deinen Mund, um das Essen hinein zu tun - und wahrscheinlich erinnerst du dich nicht, aber das musstest du auch lernen. Deswegen bekommen Babys ein Lätzchen. Das ist also eine Art von Mind, ja? Das können wir, wenn ihr wollt, unpersönlichen Mind nennen. Wir sind nicht wirklich an das Öffnen von unseren Mündern angehaftet, dies verursacht nicht unser Unglück. Es ist die Anhaftung an "Ich öffne meinen Mund", "Ich hebe meinen Arm hoch", die Anhaftung an dieses "Ich" verursacht das Unglück.

F3: Hat nicht jeder eine Intuition?

Prem: Ich denke, das was du Intuition nennst, ist auch ein Teil vom Mind und worüber ich rede, ist etwas anderes.

F3: Wie eine Stimme von der höchsten Ebene von meiner Intuition. Das, was die Verbindung zum Ganzen bedeutet.

Prem: Weißt du, Sylvia, die Weise, wie du sprichst, die Weise, wie du wahrscheinlich denkst und die Weise, wie du dich ausdrückst zeigt, dass da immer dieser Jemand ist.

F3: Ja.

Prem: Ich sage, dass da niemand ist und wenn du wirklich im Sein bist, wenn niemand da ist, dann gibt es kein höher oder tiefer oder dieses oder jenes. Es ist einfach ein Fluss. Eine Sache, die ich dir sagen kann, ist, wenn es so kompliziert wird, kannst du dir sicher sein, dass es der Mind ist. Was tatsächlich passiert, ist, dass so viele verschiedene Geschichten am Laufen sind, nicht nur zwei, sondern mehrere Geschichten, und eine deiner Geschichten heißt: das ist meine Intuition oder mein höheres Etwas.

F3: Also egal, was passiert, ich habe nie etwas zu entscheiden?

Prem: Wie kannst du etwas entscheiden, wenn da niemand ist? Deswegen kannst du nur etwas entscheiden, wenn du glaubst, dass da jemand ist.

F3: Ja!

Prem: Genau darum geht es mir!

 

F4: Manche Male fragte ich mich, warum ich hier auf Erden bin. Ich könnte sagen, dass ich hier bin, weil ich gerne zur Schule gehe, aber das ist es nicht wirklich. Dann dachte ich, wenn ich etwas finde, das keinen Sinn macht, dann gibt es keinen Sinn, hier auf Erden zu sein. Kann ich dann einfach glücklich sein? Was denkst du?

Prem: Das ist eine sehr gute Frage. Warum bist du hier? Warum bist du hier auf Erden? Warum bin ich hier? Warum bin ich auf dieser Erde? Warum habe ich einen Körper? Dies ist eine grundlegende Frage. Sie kann uns dazu führen, dieses "Ich" zu untersuchen. Und dann bist du erstaunlicherweise hier bei dieser Begegnung. Vielleicht bist du die einzige von deiner Schule, die zu einer solchen Begegnung kommt, weil die meisten deiner Freunde nicht an dieser Frage interessiert sind. Sie sind viel mehr daran interessiert, welches paar Jeans sie kaufen sollen.

Ich habe keine Antwort auf diese Frage, zumindest nicht auf diese Art und Weise. Wir könnten sagen: "Eine Antwort ist, dass ich hier bin, um so viel Eis zu essen, wie ich kann und dann werde ich so glücklich sein, wie ich nur kann." Das wäre eine mögliche Antwort. Viele Leute glauben an diese Antwort, aber ich denke, das ist nicht unsere Antwort. Wir haben ein bestimmtes Bewusstsein, mit dem wir verstehen können, dass es nicht nur darum geht, möglichst viel Eis zu essen oder die richtige Jeans zu kaufen. Es geht nicht um die Dinge, die wir dadurch erfahren, dass wir einen Körper und Sinne haben, mit denen wir die Umwelt wahrnehmen können. Es geht nicht um "unsere Leben".

Also worum geht es wirklich? Es kann nur darum gehen zu wissen, wer wir sind. All unsere Lebenserfahrung kann uns zur Antwort auf diese Frage führen. Dies ist keine wirkliche Antwort im Sinne von diese Jeans ist modischer als jene. Wenn du wirklich weißt, wer du bist, verändert sich alles.

F4: Das ist eine sehr gute Antwort. (Lachen)

Prem: Wenn das eine gute Antwort ist, dann kommt das von einer guten Frage. Es ist wunderschön, dass du hier sitzt und diese Frage stellst. Als ich vierzehn war, saß ich nicht in einer solchen Begegnung. Deswegen ist es sehr schön, dass du hierher gekommen bist und auch, dass du diese Frage stellst, und wenn du sie immer wieder stellst, bekommst du sicherlich die Antwort. Wenn du die Antwort erhältst - wahrscheinlich bist du dann immer noch sehr jung - dann ist dein Leben sehr gesegnet. Denn dann gibt es auf eine Art keinen Tod und folglich auch kein wirkliches Leben. Diese Frage wird einfach verschwinden. Man kann sagen, es gibt keinen Sinn. Es gibt keinen wirklichen Grund, es ist einfach so. Es ist das Werk der Existenz.

 

F5: Ich erfahre das Selbst und das Ego wie eine Art Waagschale. Wenn der Kontakt zum Selbst stärker ist, verliert das Ego sein Gewicht und umgekehrt.

Prem: Man könnte auch sagen, dass wenn mein konditioniertes Ich, mein Ego, nicht gegenwärtig ist, dann ist das Selbst präsent. Wenn das Ego gegenwärtig ist, wenn dieses starke Gefühl von meinem persönlichen Ich vorhanden ist, dann ist das Selbst nicht präsent.

F5: Sehr oft fühlt sich das wie ein Fliessen an, wie ein Seitenwechsel.

Prem: Ja, wir sind alle sehr durch unsere persönliche Geschichte, unser Ego, konditioniert. Wir haften sehr an unserem Ego. Wenn du mitten in dieser Anhaftung bist, dann erkennst du das Selbst nicht. Tatsächlich ist alles das Selbst, also bist du sowieso immer im Selbst.

F5: Ja, aber manchmal kommt das Ego und stellt sich vor das Selbst. Es scheint so, als hätte Ramana diese Verbindung zum Ego verloren?

Prem: Ja, als er sechzehn Jahre alt war, hatte er dieses plötzliche Erwachen und aus irgendeinem Grund hatte er die Fähigkeit zu sehen, dass es nicht "Ich" war, das etwas tut. Da dies sehr selten der Fall ist, wurde er ein großer Heiliger. Tatsächlich ist das so selten der Fall, dass es sinnlos ist, sich darum zu bemühen. Wenn es geschehen soll, passiert es sowieso durch Gottes Werk. Wenn du willst, ist Gnade vielleicht ein besseres Wort. Mich berührt es, dass Clara, die erst vierzehn Jahre alt ist, zu einer solchen Begegnung kommen kann, mitten in Indien, und eine solche Frage stellt. Ich war fast 50, bevor ich so etwas fragen konnte. Ich habe nie nach innen geschaut, bis ich 30 war, und als ich vierzehn war, habe ich wahrscheinlich Cowboys und Indianer gespielt.

F5: Ist es gut wegen diesem Fliessen die Selbstbefragung zu machen?

Prem: Ja, weil das, was du fließen nennst, könnte man auch eine Art Übergang nennen. Du bist im Übergang von dieser Person, die nur in "meiner Geschichte" lebt, zu der Person, die im Selbst lebt. Je mehr du die Selbstbefragung machst, desto mehr wirst du dich im Selbst, in der Quelle, verwurzeln und weniger im arbeitenden Mind. Ramana sagte, dass man die Selbstbefragung bis zum Moment der Selbstrealisation unentwegt machen sollte. Es kommt dann ein "Aha!"-Moment, in dem alles absolut klar ist und da gibt es nichts, was du fließen nennst. Du bist nicht länger im Übergang.

Ich möchte euch jetzt einladen zu schauen, was eure Geschichte ist. Vielleicht ist es eine schreckliche Geschichte, eine sehr traurige, vielleicht auch eine sehr fröhliche Geschichte. Dann fragst du dich selbst: "Wem erscheint diese Geschichte?" Die Antwort ist "Mir", und dann fragst du dich: "Wer bin ich?"

 

F6: Wie kann ich mit dieser Angst in mir umgehen, Angst vor Transformation, Angst vor dem Tod des "Ich"?

Prem: Ich denke, diese Angst ist ziemlich natürlich. Wenn du an dieser Vorstellung von "Ich", von diesem jemand, "Meiner Geschichte" anhaftest, dann fühlst du natürlicherweise eine Art Angst, wenn du mit der Vorstellung, dass diese ganze Geschichte verschwindet, konfrontiert wirst. Denn eigentlich ist das der Tod und Tod bedeutet, dass jemand, der Körper und der Mind, innehält und verschwindet. Deswegen ist da natürlicherweise Angst und es reicht aus, sich darüber bewusst zu sein. Dann kannst du dir auch bewusst sein, dass es andere Momente gibt, in denen keine Geschichte existiert und wahrscheinlich fühlst du dich dann gut. Da ist Frieden und eine Art Erweiterung. In dem Moment, in dem es keine Geschichte gibt, wenn es niemanden mehr gibt, und du dich sehr gut fühlst, dann ist dies eine Art Ermutigung, dass Tod möglicherweise nicht das ist, wie es scheint. Denn eigentlich ist es der Tod von etwas, das gar nicht existiert. Da es der Tod einer falschen Vorstellung ist, ist es kein wirklicher Tod, sondern nur der Tod deiner Vorstellung. Wenn diese Vorstellung sehr mächtig ist, fühlt sich das wie ein Tod an, weil du glaubst, dass du all diese Geschichten bist. Das ist nicht wahr!

F6: Vielleicht wäre es schöner, wenn es einfacher wäre.

Prem: Ich denke, wenn du dieser Vorstellung zum ersten Mal gegenüberstehst - dass du nicht wirklich jemand bist - dann ist das natürlicherweise etwas schockierend. Das braucht etwas Zeit zur Integration, das zu verstehen.

F6: Kannst du das wiederholen?

Prem: Ich denke, das ist ganz natürlich, was du gerade fühlst. Während des gestrigen Nachmittags gab es tatsächlich Momente, in denen es keine Geschichte gab und du hast nicht wirklich etwas dafür getan. Eigentlich geschah es dadurch, dass du nichts getan hast. Weil es nichts zu tun gibt. Es gibt sehr viel zu tun, die Geschichte aufrechtzuerhalten, aber es gibt nichts zu tun, dich aufrechtzuerhalten. Dies zu verstehen, braucht etwas Zeit, da wir so konditioniert sind, etwas zu tun, um etwas zu bekommen. Deswegen ist die Vorstellung am Anfang schwierig, etwas zu bekommen ohne etwas zu tun. Später geschieht in diesem Raum etwas. Zum Beispiel hatte ich gestern nur mit Ratna ausgemacht, ihm den Kopf zu rasieren - nur eine Person fragte mich - und dann hatten wir plötzlich eine Haarschneideparty. Dinge geschehen einfach.

F6: Dann muss ich mich gar nicht anstrengen?

Prem: Es gibt gar niemanden sich anzustrengen, weißt du. Hebt Premananda seinen Arm? Tatsächlich hebt sich der Arm und dann sagt Premanandas Mind: "Ich habe meinen Arm gehoben." Heute hatte ich zum Beispiel eine einstündige Liebesaffäre. Ich saß in einem Café und frühstückte und ich, Premananda, hatte den Plan, dass er sehr still und allein sein und Zeitung lesen wollte. Ok, das ist Premanandas Geschichte. Dann kam plötzlich eine Frau und setzte sich an den Tisch gegenüber. Wir sahen uns an und sie war sehr nett. Sie war entweder aus Korea oder aus Japan, ich war mir nicht sicher. Ich hatte zehn Jahre lang eine japanische Ehefrau, deswegen fand ich sie sehr hübsch. Ich sprach sie an und wir kamen ins Gespräch. Sie war sehr offen und liebenswürdig, und dann setzte sie sich zu mir herüber und wir hatten eine wundervolle Begegnung. Wir genossen das beide sehr, dann verabschiedeten wir uns. Ich habe sie eingeladen, zum Abendessen hierher zu kommen, so dass ihr sie alle treffen und euch in sie verlieben könnt. (Lachen) Sie verbrachte gerade drei Jahre in einem Ashram, also war sie sehr offen und von unserem Treffen ziemlich überrascht. Dies geschah einfach so und ich genoss es, wie es in diesem Moment war, ungefähr eine Stunde. Dann stieg ich auf meinen Motorroller, um destilliertes Wasser zu kaufen. Als ich in die Stadt kam, fand dort eine Parade mit einem Elefanten statt. Die Götter wurden umher getragen, und dort waren sehr viele Menschen. Es war wie ein Fest. Also erfreute ich mich daran. Dann gab es natürlich kein destilliertes Wasser, aber das machte nichts. Tat Premananda all das oder geschah es einfach?

F6: Es geschah einfach. (Beide lachen)

Prem: Alles geschieht einfach so.(Lachen)

F6: Ok, dann lass ich mich einfach überraschen.

Prem: Du kannst dich einfach entspannen, das ist wunderbar!

F6: Ok, dann tu ich das! (Lachen)

Prem: Aber mach es nicht!

F6: Warum nicht?

Prem: Es gibt nichts zu tun!

F6: Oh ja, stimmt!

 

F7: Mein erster Gedanke war, als ich herkam, dass ich dir für den letzten Abend danken möchte. Denn gestern hatte ich irgendwie einen schrecklichen Tag, und fast jeder, der hier war, hat das bemerkt. Der Moment, in dem sich das alles löste und verschwand, war der, als Premananda sagte: Genieße das Verärgert sein, so lange es dauert. Dadurch hatte ich den Eindruck, dass es auch ok ist, mal für eine Weile in einem solchen Zustand zu sein. Trotzdem habe ich die Frage, wie ich mit diesem Verärgert sein umgehen soll? Es ist ja nicht so, dass ich nicht merke, was passiert. Ich habe nur keine Mittel, etwas dagegen zu tun. Ich denke, ich bin mir der Tatsache bewusst, aber ich kann es nicht ändern.

Prem: Was musst du denn ändern? Wer entscheidet, dass du nicht verärgert sein solltest? Wo kommt diese Vorstellung her, dass es nicht ok ist, verärgert zu sein? Schau, Gott gibt uns die Möglichkeit, auch verärgert zu sein, also warum diese Fähigkeit nicht manchmal nutzen? Es ist ganz nett, verärgert zu sein!

F7: Aber es fühlt sich so eng an, mein ganzer Körper fühlt sich eng an, wie also soll ich das genießen? Ist es eine gute Idee, das zu genießen?

Prem: Warum musst du das genießen? Wer hat gesagt, dass du das genießen musst? Es ist manchmal schön, es nicht zu genießen. Eine andere Möglichkeit ist, dass du dich einfach hingibst. Das bedeutet, den persönlichen Macher aufzugeben. Du gibst die Person auf, die das verärgert sein in glücklich sein umändern will. Du bist ganz einfach das Gewahrsein von Ärger und glücklich sein. Also gibt es nichts zu tun. Hingabe bedeutet, es einfach so anzunehmen, wie es ist und sobald du das tust, wird es sich sofort verändern, weil du in diesem Moment absolut präsent bist. Verstehst du? (Lachen)

F7: Mein Herz schlägt sehr schnell. Seit gestern spüre ich diese Gegend, mein Herz und meine Brust, sehr gut. Ich kann fühlen, was Ramana damit meint, dass das Selbst aus dieser Gegend herauskommt. Es ist sehr stark, wie ein Gewicht, das den Mind zieht. Mein Herz öffnet sich wieder für Premananda, oder besser gesagt für das Selbst. Das fühlt sich viel besser an, als eng und verschlossen zu sein. Was meint Ramana mit dem spirituellen Herz?

Prem: Das physische Herz ist auf der linken Seite. Er spricht von der rechten Seite. In dem Moment, wenn der Mind wirklich stirbt, dann kehrt er irgendwie zurück in die rechte Seite der Brust.

F7: Aber er sagt zwei Finger breit von der Mitte aus. Mein Gefühl ist, dass es genau die Mitte ist. Was ist deine Erfahrung damit?

Prem: Ich habe damit keine besonderen Erfahrungen gemacht. Was er sagt, ist Teil der traditionellen vedantischen Weisheit in Indien. Aber soweit ich weiß, ist das eher eine seltene Beobachtung. Also ist das keine allgemeine Erfahrung für die Menschen. Gewöhnlicher ist eine Öffnung des Herz-Chakra. Das ist ein sehr bedeutender Moment, weil es darunter drei Chakren gibt und auch drei darüber. Die unteren Chakren haben mit Gefühlen und Körperfunktionen zu tun, und die drei Chakren darüber mit spirituellen Aspekten. Wenn sich also das Herzchakra öffnet, ist das eine Öffnung in Richtung Spiritualität. Für einen spirituellen Lehrer ist es die erste Aufgabe, jemandem zu helfen, das Herz zu öffnen. Aus dieser Öffnung heraus ist spirituelle Weisheit möglich. Zum Beispiel traf ich diese junge Japanerin heute Morgen und ich fragte sie nach ihren Erfahrungen im Ashram, wo sie drei Jahre war. Sie erzählte mir, dass es manchmal sehr schön und friedlich war mit wunderbaren Erfahrungen, und manchmal war es wie ein Alptraum und sie hatte das Gefühl, dass ihr Lehrer ihr alle möglichen schrecklichen Dinge antat. Aber wenn du die gesamten drei Jahre betrachtest - als ich sie traf war sie völlig offen, wie eine schöne Rosenblüte, und dann konnten wir diese Liebesaffäre haben, weil unsere Herzen offen waren. Wegen dieser Begegnung habe ich sie hierher eingeladen. Es war so als sollte dies geschehen, sie wurde irgendwie zu diesem Satsang geführt. Es geschieht einfach von selbst. Diese Herzöffnung ist sehr wichtig, und solange sie nicht geschehen ist, kann nicht so viel passieren.

F7: Ich konnte das vor zwei Tagen spüren, als mein Herz verschlossen war. Es fühlte sich unmöglich an, aus diesem Satsang etwas herauszubekommen.

Prem: Es gibt eine Phase, in der es sehr wichtig ist, dass der Suchende oder Schüler den Lehrer oder Guru tatsächlich liebt. Je mehr du ihn liebst, desto intensiver kann diese Öffnung geschehen. Aber es ist nicht wirklich persönlich, also eher eine Art Kanal. Der Lehrer bietet sich selbst als Kanal an, um das Herz zu öffnen. Zum Beispiel war Osho Rajneesh in den letzten 30 Jahren wunderbar im Herzen öffnen. Wenn man Leute trifft, die mit Osho verbunden sind, fühlt man ihre Herzen, und seit Osho seinen Körper verlassen hat, sind diese Leute zu anderen Lehrern gegangen. Wie auch immer die letzte Entscheidung über Osho’s Wichtigkeit als Lehrer fallen würde, ein großes Werk, das er vollbracht hat, war tausende und abertausende Menschen zu öffnen.