Satsang mit Premananda, Tiruvannamalai, Indien, 2004
Prem: Willkommen zum Satsang. Das Selbst ist strahlend. Das ewige Selbst ist wie ein leuchtender Diamant. Das Selbst ist zart. Das Selbst ist Stille, Frieden. Nichts bewegt sich. Leere. Ohne Beschränkungen. Eine Konstante. Es verändert sich niemals. Der Mind steigt aus dem Selbst auf. Die Welt manifestiert sich aus dem Mind. Wenn die Welt da ist, ist das Selbst nicht da. Wenn das Selbst da ist, ist die Welt nicht da.
Zum Beispiel gehen wir zu Bett in der Nacht und am Anfang haben wir einen leichten Schlaf und dann sind Träume da. Diese Träume sind wie Gedanken. Da gibt es keinen großen Unterschied zwischen Gedanken im Wachzustand und den Träumen im Schlafzustand. Dann gehen wir in einen tieferen Schlaf, und in diesem Tiefschlaf sind keine Träume. Das ist das Selbst. Also verbringen wir jeden Tag vielleicht sechs oder sieben Stunden im Selbst. In diesem Tiefschlaf gibt es keine Welt. Der Mind-Körper-Organismus funktioniert, aber da sind keine Gedanken und da ist keine Welt. Wenn wir am Morgen aufwachen, haben wir ein tiefes Gefühl von Genährtsein. Diese Zeit im Selbst hat uns genährt.
Wir sind bereit für den neuen Tag. Es gibt einen kleinen Moment zwischen dem Öffnen der Augen und dem Zeitpunkt, in dem der Mind wirklich beginnt, sehr aktiv zu sein, wenn es eine Gelegenheit gibt. Wenn du zuerst deine Augen öffnest, ist dein Mind noch nicht sehr aktiv, denn gerade einen Augenblick vorher hast du geschlafen, und nun sind die Augen offen und nichts ist passiert. Wenn du mit einer großen Bewusstheit aufwachst, dann kannst du einfach im Selbst aufwachen. Wenn du mehr Bewusstheit in diese Sache bringst, kannst du diesen Raum des Selbst erweitern, bevor der Mind geschäftig wird, bevor er aktiviert wird.
Wir haben in dieses kleine Büchlein von Ramana Maharshi, "Wer bin ich?" geschaut und er sagte sehr deutlich, wenn die Welt präsent ist, dann ist die Bewusstheit des Selbst nicht da, und wenn die Welt nicht präsent ist, dann ist die Bewusstheit des Selbst präsent. Gestern in diesem langen Satsang bemerktet ihr mit der Zeit, dass alles ruhiger und ruhiger im Raum wurde, und jeder war berührt von dieser Stille. Es war, als würden alle Minds sich beruhigen und am Ende der sechs Stunden war da diese unglaubliche Stille. Mehrere Leute erfuhren einen wundervollen Frieden. Da war eine andere Qualität, und diese Qualität ist nicht möglich, wenn der Mind sehr aktiv ist.
Wie kann man den Mind zur Stille bringen? Es gibt viele verschiedene Techniken. Du kannst meditieren, Atemübungen machen, du kannst Mantren singen, du kannst sogar den Namen Gottes konstant wiederholen. All diese verschiedenen Techniken werden den Mind beruhigen, aber unglücklicherweise hängt die Stille von der Technik ab. Wenn du aufhörst zu meditieren oder das Mantra zu singen, kommen die Gedanken zurück. Wie also kann man den Mind so ruhig stellen, dass er nicht mehr zurückkehrt, dass der Mind nicht mehr beißt? Wieder schlägt Ramana Maharshi vor, dass es nur eine Art und Weise gibt, das zu tun, und er sagt, dass das der direkteste Weg zur Selbstrealisation ist. Er sagt, wenn du dich selbst fragst, "Wer tut das gerade?", dann bringt dich das sofort zu der Antwort "Ich". Wenn du dich dann fragst, "Wer ist dieses Ich? Wer bin ich?", dann gibt es keine eigentliche Antwort. Aber der Effekt dieses Fragens bringt deine Aufmerksamkeit vom Außen zum Innen. Es bringt deine Aufmerksamkeit zur Quelle und von dieser Quelle steigt der Mind auf und vom Mind die Welt. Wenn du konstant diese Selbsterforschung betreibst, werden deine starken Anhaftungen an die Welt draußen schwächer. Deine Aufmerksamkeit beginnt viel leichter nach innen zu gehen und deine Aufmerksamkeit ruht in dieser Quelle. In der Quelle geschieht nichts.
Es ist sehr still, und wie du gestern erfahren hast, fühlt sich diese Stille sehr friedlich an. Du erkennst sie als etwas sehr Bekanntes, sehr Nahes, weil dies unsere Wahre Natur ist. Deshalb ist da nichts zu tun. Der Mind will immer etwas tun, aber das ist ein komplett anderes Projekt. Du hast überhaupt nichts zu tun. Tatsächlich bringt dich alles Tun weiter weg von deiner Wahren Natur. Sobald wir in dieses Nichtstun kommen, verlieren wir das Interesse an den Geschichten. Wir verlieren das Interesse an unserer eigenen Geschichte, und wir verlieren das Interesse an den Geschichten der anderen. Wir verlieren das Interesse an der Geschichte der Welt. Alles fällt ab und wenn alles abfällt, wollen wir nirgends mehr hingehen, wir wollen nichts mehr tun, weil wir verstehen, dass das Selbst vollständig ist. Nichts fehlt. Da ist kein Verlangen, denn Verlangen kommt von der Vorstellung, dass mir etwas fehlt. "Wenn ich das hätte, dann wäre ich vollständig." Das Verlangen bewegt uns immer ins Außen. Das Selbst ist vollständig. Da gibt es nichts zu bekommen. Es kann nicht noch besser sein, weil genau jetzt ist es vollständig.
Wenn du einmal zu dem Punkt kommst, wo du siehst, "ich bin das Selbst", dann willst du nirgends mehr hingehen und nichts mehr tun. Genau hier ist genug. Natürlich gehst du irgendwohin, der Körper wird sich bewegen, der Mind und der Körper werden vielleicht auf etwas antworten. Vielleicht fängt es an zu regnen und du bewegst dich an einen trockenen Platz, oder es ist vielleicht kalt und du gehst in die Wärme. Es gibt kein Besser und kein Schlechter. Das Leben wird eine Art Spiel, Leela, das göttliche Spiel. Dinge geschehen, Körper bewegen sich, der Mind ist aktiv, aber über die ganze Zeit hin weiß ich, ich bin das Selbst, ich bin ganz und vollständig. Nichts fehlt. Da gibt es eine tiefe Entspannung. Dein Eifern und dein Kämpfen hören auf. Das ist die Schönheit des Arunachala, es scheint, dies ist der Ort, um diese Behauptung aufzustellen. Halte hier an! Als ob es das Ende der Strasse wäre. Hier können wir anhalten und für alles wird gesorgt.
Es war schön diesen Morgen zur Meditation zu kommen, weil gerade vor dem Raum draußen ist ein wunderschöner schwarzer Vogel, der da auf der Stromleitung sitzt. Letztes Jahr saß er auch da, und auch das Jahr zuvor saß er da. Dieser kleine Vogel mag dieses Stück Leitung wirklich, und er spielt einfach hier und jeden Morgen singt er sein Lied aus überhaupt keinem Grund.
Wenn du einen Moment lang anhältst und in einen großen Spiegel schaust, dann findest du, dass alles wunderschön ist. Tatsächlich bist du genauso, wie du sein sollst. Gerade so. Gerade so wie dieser kleine Vogel, der auf der Stromleitung sitzt. Wenn du dich umschaust unter den anderen Mind-Körpern in diesem Kreis, ist jeder einzigartig. Da sind keine zwei gleich. Sogar identische Zwillinge sind nicht so identisch. Diese Existenz ist überfließend, jeder ist einzigartig, jeder eine perfekte Manifestation Gottes. Wir müssen das einfach nur akzeptieren und den Krieg stoppen, dieses andauernde Verlangen, anders zu sein, jemand zu sein. Zu Gott sagen, tut mir leid Gott, aber, wirklich Gott, ich mag die Art, wie du mich gemacht hast nicht. Du solltest mich ein bisschen dicker oder dünner machen. Was in diesem Retreat passiert, ist nicht, dass wir jetzt alle perfekt werden. Perfekt wie wer? Die Schönheit dieser Gemeinschaft ist, dass jeder einzigartig ist, aber die Energie, die durchscheint, das Selbst, das jeden Mind und Körper erleuchtet, ist dasselbe Selbst. Wir sind nicht getrennt. Wir sind absolut dasselbe, dasselbe Eine. Zur gleichen Zeit ist jeder Mind und jeder Körper absolut einzigartig. Wir sind hier einfach eingeladen, für eine kurze Zeit unser Lied zu singen. Du sagst einfach "Danke" und bist sehr dankbar und genießt das Spiel.
Das ist vielleicht das Schöne daran, dieses Retreat hier in Indien zu haben. Wir sind hier so nah am Feiern. Wo immer wir auf die Strasse gehen ist da so eine Art, den Moment zu feiern, und dadurch fühlen wir uns lebendiger. Im Westen sind die Dinge etwas ernst geworden. Wir haben dieses starke Gefühl, dass wir etwas tun müssen. Wir sind sehr beschäftigt. Wir haben keine Zeit und hier in Indien scheint es immer Zeit zu geben, weil der Moment wichtig ist. Wir können fühlen, dass uns das irgendwie öffnet und deswegen lieben wir Indien, aber es ist nicht wirklich Indien. Wir lieben dieses Gefühl von Lebendigkeit. Es gibt hier eine Art von innerem Raum, und wir werden ermutigt jeden Moment zu feiern. Möchte jemand eine Frage stellen?
F1: Du sagst, dass wenn das Selbst da ist, ist die Welt nicht da. Was meinst du genau damit? Verschwinden alle Objekte und...
Prem: Nein, die Objekte verschwinden nicht, aber irgendwie verändert sich die Kraft der Objekte. Die Aufmerksamkeit ist beim Selbst und nicht beim Objekt. Die Welt verschwindet nicht. Zum Beispiel sehe ich die Welt so wie du sie siehst, aber meine Aufmerksamkeit ist im Selbst.
F1: Ist es ein bisschen so, dass du die Bilder siehst, aber du bist nicht an sie angehaftet? Keine Geschichte darüber.
Prem: Ja, da ist keine Geschichte darüber, zum Beispiel könnte ich sagen, "Oh, ich hasse den Regen. Es ist so nass heute". Aber wenn es regnet, mache ich meinen Schirm auf.
F1: Und warum?
Prem: Da gibt es keinen Grund. Zum Beispiel unser Freund Hans, er macht seinen Schirm auf, wenn die Sonne scheint. Das ist sein Spiel.
F1: Ok, also können wir sagen, es nimmt die Ernsthaftigkeit da heraus?
Prem: In einem gewissen Sinne nimmt es diese ernste Reaktion auf die objektive Welt weg, dass sie wirklich sei.
F1: Also ist es, als lebten wir in einem Kino und erfreuen uns an den Bildern?
Prem: Es ist nicht wirklich so, dass wir uns daran erfreuen oder nicht erfreuen. Es ist einfach so.
F1: Die ganze Zeit?
Prem: Die ganze Zeit. Wenn du im Selbst gefestigt bist, dann ist es so die ganze Zeit. Egal wie das Spiel draußen ist. Ich erinnere mich, ein Freund von mir in Lucknow, sprach darüber, was ihm passiert war. Er hatte ein Erwachen und sein ganzes Leben veränderte sich. Lucknow war in diesen Tagen eine sehr verschmutzte Stadt und er sagte, dass wenn er auf seinem Skooter saß und hinter einem großen LKW herfuhr, alles ganz wunderbar war. In dieser Art von Akzeptanz, dieser Art von Spiel, verändert sich die Qualität des Lebens, weil die Dinge sehr einfach werden. Wenn du nicht wählst und nicht beurteilst und es keinen Grund gibt, etwas zu tun, dann wird das Leben sehr einfach.
Gabrielle: Ist es wie, du siehst es da, aber da ist nichts zu tun, du lässt es einfach sein?
Prem: Ja. Konntet ihr das hören? Sie fragte, ob das so sei, dass du die Welt siehst und wie sie ist, du lässt sie einfach. Erinnert ihr euch, John Lennon hatte ein Lied mit den Beatles, Let It Be. Ich denke, er lernte es, als er nach Rishikesh mit dem Maharshi ging. So bald du viel darin investierst, die Welt zu ändern, bekommst du eine riesige Arbeit, weil du im Grunde sagst: "Also Gott, du hast das nicht ganz richtig gemacht, deshalb muss ich es ändern." Dann bist du sehr beschäftigt dein ganzes Leben lang. Die Leute werden sehr unbequem, wenn ich sage, dass die Welt so in Ordnung ist, wie sie ist. Dann sagen sie, "Aber was ist mit den Bettlern, was ist mit all den kranken Leuten, die hungernden Menschen? Und was ist mit den Kriegen? Was mit Hitler? Was ist mit diesen ganzen hässlichen Dingen, die da passieren?" Sie werden sehr unbequem, wenn ich sage, "Also, das ist das Spiel der Existenz. Das ist das Spiel Gottes." Sie wollen es ändern. Sie wollen alles nett machen.
F1: Es ist wie es ist, ohne jedes Problem. Das fühlt sich im Moment so für mich an.
Prem: Weißt du, du hast die Tendenz, eine Person zu sein, die die Dinge gerne in einer bestimmten Art und Weise hätte. Also, dieses "Ich" könnte sehr hilfreich sein, weil die Dinge nun ein bisschen unbequem werden. Auf eine Art wirst du empfänglicher für den Moment und vielleicht weniger empfänglich für deine Vorstellung über den Moment.
F1: Ganz sicher im Moment. Ich wundere mich selbst, wie wenig Probleme ich damit habe. Wirklich nichts und es ist wirklich einfach, die Dinge zu sehen, weil da ist kein Problem.
Prem: Ja, eines ist ein kleineres Problem als zwei.
Gabrielle: Also, wenn du im Selbst bist, siehst du dann nur das Gute in den Dingen und nie die Schlechten? Wie mit dem Bettler auf der Strasse, zählen für dich nur die guten Dinge über den Bettler auf der Strasse?
Prem: Also, sie fragt, ob du nur die guten Dinge siehst und nicht die schlechten Dinge und die Antwort ist, dass du nicht beurteilst, was gut ist und was schlecht ist. Es ist gerade so, wie es ist.
Gabrielle: Es ist da, also warum es nicht so lassen. Du kannst nichts tun.
Prem: Also, sie fragt, warum lässt du es nicht einfach sein? Und ich sage, dass du es einfach sein lässt.
F2: Seit zwei Tagen kann ich erfahren, dass das "Ich" sich auflöst und da ist der Körper, da ist der Mind, das Bewusstsein und ich frage mich, wie es möglich ist, es zu schaffen, dass das "Ich" sich selbst erschafft aus diesen Dingen heraus, immer und immer wieder. Weil, tatsächlich ist da kein "Ich", aber es fühlt sich wirklich so an als ob.
Prem: Aber es ist mehr wie ein Schatten von einem "Ich"? Wie eine Art leere Haut, weißt du, als ob keine Gedärme darin wären?
F2: (Lachend) Also, dieses Gefühl von "Ich" ist mir sehr vertraut, deshalb passiert es sehr leicht, dass es sich von selbst verstärkt, jeden Moment wieder, besonders dann, wenn ich gehe und etwas tue und spreche.
Prem: Da gibt es einen sehr starken Impuls, weißt du. Wie du sagst, es verstärkt sich laufend selber.
F2: Es ist wie eine wirklich starke Illusion. Es ist eine wirklich starke Illusion, aber da ist immer noch dieses Gefühl von "Ich", sogar mitten in der Bewusstheit. Vielleicht ist es mehr eine Art von "Ich bin". Gestern war ich verärgert, weil du so viel gefilmt hast und ich habe mich selbst gefragt, "Wer wird gestört?" und dann war es wieder weg. Es ist wirklich, wirklich erstaunlich wie die Selbstbefragung wirkt.
Prem: Dieses einfache Erinnern von "Wer bin ich?" ist so stark.
F2: Ja, und kannst du es überall anwenden, jederzeit?
Prem: Ja, Ramana Maharshi wurde gefragt, ob man es die ganze Zeit machen sollte und er sagte, "Ja, du tust das konstant bis zu dem Moment der Verwirklichung", denn der Mind ist programmiert. Von diesem "Ich" aus haben wir alle Erfahrungen gemacht, unser ganzes Leben lang, jeden Moment seit 30 Jahren, 40 Jahren, 50 Jahren, und diese Selbstbefragung bringt uns immer wieder zurück von dort. Am Anfang ist es nicht so leicht, nach innen zu kommen, zurück zu kommen, weil unsere Anhaftung an die Objekte so stark ist, und unser Glauben in den Film der Welt ist so stark, aber während du die Selbstbefragung machst, wird das schwächer und die große Investition in die Welt wird kleiner und kleiner.
F2: Daran kann ich sehen, wie wichtig das Sich zurückziehen ist oder mit einem Meister für längere Zeiträume zu sein.
Prem: Ja, deshalb haben wir gestern gesagt, dass das eine wundervolle Gelegenheit ist. Die Entscheidung hierher zu kommen, mit einer Gruppe von Leuten, die sich nach derselben Lehre richten, und die sich gegenseitig unterstützen, das ist ein wundervoller Moment in eurem Leben. Im regulären Leben, in einer geschäftigen, westlichen Stadt, sind starke Strukturen. Da gibt es eine Familie und Arbeit. Es gibt eine Gesellschaft und ihr versucht, da irgendwie hinein zu passen. Deshalb ist es viel schwerer zur Quelle zu kommen, aber es ist auch nicht notwendig, die Welt zu verlassen. Du musst nicht in den Himalaja gehen und dort 25 Jahre in einer Höhle verbringen, aber du musst deine eigene Höhle herstellen, in der Welt zu sein, aber nicht von ihr zu sein. Wir sind so stark konditioniert worden. Wenn wir in der Welt sind, müssen wir auch von ihr sein, aber das ist nicht wahr. Zum Beispiel lebe ich seit 30 Jahren in der Welt, aber ich bin nicht von ihr, deshalb bin ich eine etwas seltsame Person. Leute können das fühlen, weißt du, ich passe nicht wirklich hinein.
Gabrielle: Du passt hier hinein in deiner eigenen Weise.
Prem: Aber es ist ok.
Gabrielle: Ich denke, das ist mit Priorität gemeint - unser Erwachen muss die erste Priorität sein.
Prem: Ja, das ist absolut nötig. Wenn du es nicht zu deiner ersten Priorität machst, hast du keine Hoffnung, weil, wenn etwas anderes deine erste Priorität ist, dann steckt dich das natürlich in die Strukturen der Gesellschaft und der Welt und der Familie und so weiter und so fort. Dann bist du in der Welt und von ihr, und du wirst niemals das Selbst treffen. Das ist sehr wichtig, siehst du, es ist sehr wichtig und die Leute haben die Vorstellung, "Oh, ja, es ist meine erste Priorität", aber es ist nicht so. Zum Beispiel Andrea, du erinnerst dich, sie machte Musik auf dem Inner-Sangha-Wochenende. Als sie mich zum ersten Mal an einem Wochenende traf, erzählte sie mir nach nur fünf Minuten, "Oh Premananda. Ich weiß, dass du mein Guru sein wirst". Sie war bei mehr als ein paar Lehrern, aber als sie mich traf, war es etwas Besonderes für sie und sie erzählte mir, sie hatte solch eine starke Verbindung und sie bot an, einige Satsangs zu arrangieren. Sie arbeitet als Heimleiterin in einem Jungenheim mit ihrem Ehemann, wir hatten zwei sehr schöne Satsangs bei ihr und dann kam sie zur Inner Sangha. Sie unterzeichnete auch das Papier und dieses erste Wochenende war sehr positiv. Sie hatte alle möglichen Ideen, was wir an anderen Wochenenden machen könnten und auf ihr Interesse hin lud ich sie ein, um mit Sylvia Musik zu machen auf den anderen Wochenenden. Dann bekam ich eine große E-Mail von ihr und sie sagte mir, dass sie die Inner Sangha verlässt, weil sie nicht die Zeit aufbringen kann, um zu den Treffen zu kommen. Vier Wochenenden im Jahr sind zuviel Zeit für sie. Sie ist beschäftigt mit dem Jungenheim und mit ihrer Familie. Ich weiß wirklich nicht, was ich ihr jetzt sagen soll, für mich ist es nicht konsequent. Vier Wochenenden sind zehn Prozent ihres Jahres. Wenn sie nicht mal so viel Zeit dafür aufbringen kann, total auf die Wahrheit fokussiert zu sein, was soll das? Tatsächlich versteht sie eine Menge Dinge, aber sie lebt es nicht. Überhaupt nicht. Wenn du etwas erreichen willst, dann muss es deine erste Priorität sein.
F2: Es half mir, mein Ego zu sehen. Vor zwei Tagen in diesem Satsang über die Festung, um wirklich einen Geschmack vom Ego zu bekommen, weil davor hatte ich immer dieses Gefühl von "Wow! Das ist die Art, wie ich bin", oder wie auch immer, aber diese Egostruktur wirklich zu schmecken ist schrecklich.
Prem: Ja, weil eine andere Art, unsere Festung anzuschauen, ist, dass wir für uns selbst einen wunderschönen, vergoldeten Käfig konstruiert haben. Unser eigenes Gefängnis. Hast du erst einmal einen Geschmack davon bekommen, dann fängt alles an, sich wirklich zu ändern. Weißt du, 99 Prozent aller menschlichen Wesen kommen nie an den Punkt, das zu sehen. Sie leben von ihrer Geburt an bis zu ihrem Tod vollständig in der Geschichte, ganz und gar die Geschichte glaubend ohne eine Vorstellung davon zu haben, dass es da einen anderen Weg zu leben gibt. Wenn du wirklich einen Sinn für die Festung bekommst, dann verändert sich etwas.